KV Hessen: Abschaffung der Apotheken würde Milliarden einsparen

Frankfurt am Main – Die Apotheker wollen immer mehr ärztliche Leistungen übernehmen – in der vergangenen Woche hatten Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABBDA) ein Positionspapier dazu vorgelegt. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV Hessen) kontert nun: Das, was Apotheken heute noch tun, können auch Ärzte und Drogerien übernehmen.
„Wenn wir schon alles auf den Kopf stellen, dann sollten wir auch radikale Ideen zulassen“, sagten die Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Armin Beck. Sie stellten die Frage, warum man so viel Geld dafür ausgebe, dass in „pharmazeutischen Verkaufsstellen“ 95 Prozent Fertigarzneimittel abgegeben werden.
Eine Dienstleistung, die noch etwas mit Pharmazie im eigentlichen Sinne zu tun hat, finde in den Apotheken also kaum noch statt. Zumal sich diese vorrangig über den „Beiverkauf von Gummibärchen und Kosmetika zu finanzieren scheinen“, so Dastych und Beck, die ein „Milliardensparpozenzial“ ausmachen.
„Man könnte in Drogeriemärkten Abgabestellen einrichten. Eine entsprechende Schulung des Personals könnte die KV Hessen sicherstellen“, beschreiben beide. Auch der Onlineversandhandel werde immer wichtiger. Und über die längst überfällige Möglichkeit für Ärzte, Medikamente abzugeben, ließe sich eine durchgehende und flächendeckende Arzneimittelversorgung organisieren und gleichzeitig sehr viel Geld einsparen.
Dastych und Beck betonten, dass sich so auch der Praxis- beziehungsweise Sprechstundenbedarf und der Bezug von Impfstoffen organisieren ließe. „Für die Versorgung der restlichen Bevölkerung sollte pro 250.000 Einwohner eine Regionalapotheke mit einem 24/7-Fahrdienst ausreichen, die man idealerweise in der Nähe eines zukünftigen Integrierten Notfallzentrums (INZ) einrichten könnte.“
Die Apotheken wollen im Rahmen eines künftigen Primärversorgungssystems einen eigenen „Beitrag“ leisten, wie ABDA-Präsident Thomas Preis kürzlich angekündigt hat. Der Vorstoß für die Kompetenzausweitungen stieß auf erhebliche Kritik der Ärzteschaft.
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