Leitlinie zur Prävention von freiheitsentziehenden Maßnahmen bei Kindern erschienen

Berlin – Eine neue S2k-Leitlinie fasst die Evidenz zur Prävention, Durchführung und Nachsorge von freiheitsentziehenden Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen zusammen.
„Damit stehen erstmals praxisorientierte Empfehlungen zur Verfügung, um ethisch, rechtlich und fachlich Orientierung zu geben und zu einer weitest möglichen Reduktion von Zwang in der Kinder- und Jugendpsychiatrie beizutragen“, sagte der Koordinator der Leitlinie, Martin Holtmann von der LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum. Er sei besonders dankbar für die Mitarbeit der Patientenvertreter.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist verpflichtet, die Grundrechte aller Kinder zu wahren. In krankheitsbedingten Krisen kann es laut dem Leitlinienteam dennoch zu Behandlungssituationen kommen, in denen Kinder und Jugendliche sich selbst oder andere gefährden.
Ziel sei es, auch dann freiheitsentziehende Unterbringungen und Maßnahmen weitestgehend zu vermeiden und den Kindern und Jugendlichen Behandlungsmöglichkeiten zu bieten, die auf Freiwilligkeit beruhen.
Die Leitlinie wendet sich laut der Leitliniengruppe an Fachpersonal, die mit erkrankten Kindern und Jugendlicher arbeiten, aber auch an die Minderjährigen selbst und ihre Angehörigen sowie an Familienrichter, Jugendämter, die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger.
Das Autorenteam mahnt, die Umsetzung der Leitlinienempfehlungen in Kliniken und anderen Einrichtungen zu fördern. Nötig seien dafür Schulungen des Personals, das Erstellen von Standards zum Umgang mit selbst- und fremdgefährdendem Verhalten und weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Die Leitlinie wurde herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BAG KJPP), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Deutschland.
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