Ärzteschaft

Medizinische Labore beklagen Auswirkungen der Honorarreform

  • Freitag, 16. Mai 2025
/stock_alexfamous, stock.adobe.com
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Berlin – Die Labormediziner warnen weiter vor den Auswirkungen der zum Jahresanfang in Kraft getretenen Vergütungsreform. Erste Zahlen des Verbandes Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) würden massive Einbußen belegen, hieß es gestern.

„Es kommt genau so, wie wir es vorhergesagt haben. Den Laboren wird massiv Geld entzogen“, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der ALM, Michael Müller. Dem Verband würden mittlerweile Auswertungsergebnisse aus dem ersten Quartal von 65 Laboren vorliegen, aus denen ein Einnahmenrückgang von 30 Millionen Euro hervorgehe.

Die neue Vergütungsstruktur im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) bilde medizinische Innovationen nicht ab, verzerre systematisch die Vergütung ärztlicher Leistungen und ignoriere die erheblichen Kostensteigerungen im ambulanten wie im stationären Bereich. Allein seit 2017 hätten diese rund 35 Prozent betragen.

Insbesondere durch die Quotierung von Kostenpauschalen und andere Maßnahmen würden den fachärztlichen Laboren Teile der für die Laborversorgung bestimmten Finanzmittel entzogen, was sich auf die Versorgungssicherheit und Patientensicherheit auswirke, erklärte Müller.

So würden einige Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) die Refinanzierung der Transportkosten derart quotieren, dass sie nur 85 Prozent der entstandenen Kosten auszahlen.

„Die Laborreform setzt kassenärztlich tätige Labore unter massiven wirtschaftlichen Druck – mit unmittelbaren Folgen für die Patientenversorgung“, betonte auch Ralf Ignatius, Facharzt für Mikrobiologie und stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (BÄMI).

So seien bereits jetzt Prozessverlagerungen und verzögerte Diagnosen zu beobachten. Auch eine „schleichende Verschlechterung der Testqualität“ sei möglich. „Essenzielle Leistungen wie die bislang sehr gute Infektionsdiagnostik stehen auf dem Spiel“, mahnte Ignatius.

Auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) kritisierte die Reform. Sie bringe viele Labore an den Rand des Ruins, erklärte Vorstandsmitglied Eike Albers ebenfalls gestern in Berlin anlässlich des Deutschen Labortages 2025. „Ich befürchte, was man mit der Laborreform kaputtmacht, merkt man erst, wenn viele Labore schließen“, sagte er.

Auch die geplante neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) unterstütze der Verband nicht. Sie würde ebenfalls zu einer Absenkung der Laborvergütung führen, kritisierte der Vorstandsvorsitzende Andreas Bobrowski.

Er empfahl stattdessen eine Abschaffung des Wirtschaftlichkeitsbonus, den Ärzte bei wirtschaftlicher Veranlassung und Erbringung von Laborleistungen erhalten. Dafür werde ein dreistelliger Millionenbetrag ausgezahlt, den man an anderer Stelle sinnvoller einsetzen könne.

„Wir wissen natürlich, dass das ein heißes Eisen ist“, sagte Bobrowski. „Aber die Zeit ist gekommen, dass man das mal überprüft.“

lau

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