Medizinstudierende hoffen auf Reform des Studiums

Hannover – Zum wiederholten Male appellierten gestern Abend in Hannover die Medizinstudierenden auf einem Deutschen Ärztetag an Bund und Länder, sich über die Finanzierung der überarbeiteten Ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) zu verständigen.
Die Novellierung der ÄApprO sei notwendig, um das Medizinstudium kompetenzorientierter und praxisnäher zu gestalten, betonte der Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd), Pascal Markus Lemmer. Gerade ein geplantes Primärversorgungssystem könne ohne eine Reform des Medizinstudiums nicht gelingen.
Lemmer kritisierte vor den Delegierten des 130. Deutschen Ärztetages den politischen Stillstand der vergangenen Jahre. Mindestens zehn Generationen von Vorständen der bvmd hätten bereits Zeit und Kraft in das Projekt investiert. Der Frust über die ausbleibende Umsetzung eines fertigen Entwurfs sei entsprechend groß.
Tatsächlich basiert ein fertiger Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf den bereits seit Jahren konsentierten Inhalten des Masterplans Medizinstudium 2020, die gemeinsam mit der Ärzteschaft, Studierendenvertretungen, medizinischen Fakultäten und Fachgesellschaften immer wieder weiterentwickelt und geeint wurden. Da die Finanzierung jedoch nicht geklärt ist, konnte bislang die Reform des Medizinstudiums nicht umgesetzt werden.
Lemmer stellte angesichts dieses Zustands die Frage, ob man weiterhin „Milliarden für eine altmodische Ausbildung“ ausgeben wolle, die an dem Bedarf der Zukunft vorbeigehe oder ob man lieber etwas mehr investieren sollte, um Ärztinnen und Ärzte für eine moderne Gesundheitsversorgung auszubilden.
Zudem stellte Lemmer klar: Seit 2019 werde real rund ein Fünftel weniger pro Medizinstudienplatz ausgegeben. Zwar seien die jährlichen Ausgaben von 34 Milliarden Euro enorm hoch, doch Ressourcen ließen sich nicht unendlich strecken. „Die Lehre muss ebenso wie Krankenversorgung ausfinanziert sein“, betonte er.
An die Ärzteschaft appellierte der Medizinstudent aus Berlin, gemeinsam Druck für die Reform zu machen. „Wir brauchen Sie!“, rief er den Delegierten zu. Nur mit dem „Rückenwind der vereinten Ärzteschaft“ könne die neue Approbationsordnung noch umgesetzt werden.
Trotz aller politischen Rückschläge zeigte sich Lemmer diesbezüglich aber durchaus optimistisch. „Kommen Sie mit uns ins Gespräch, diskutieren Sie mit uns, und vor allem: Glauben Sie wie wir weiter an den großen Wurf!“
Grund für diesen Optimismus bieten in der Tat die gestrigen Äußerungen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). In ihrer Rede zur Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages kündigte sie an, Reformen, die schon lange in der berufspolitischen Debatte seien, in dieser Legislaturperiode abschließen zu wollen.
„Wir halten an der Notwendigkeit einer Reform des Medizinstudiums in dieser Legislaturperiode fest“, sagte sie konkret. Man habe sich vorgenommen, „das endlich zum Erfolg zu bringen.“ Die Gespräche mit den Ländern seien „schwierig“, aber man ließe sich davon nicht abhalten.“
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