Mehr Öffentlichkeit für Suizidprävention gefordert

Berlin/Würzburg – Suizidprävention braucht mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Das Nationale Suizidpräventionsprogramm will deshalb anlässlich des Welttags der Suizidprävention, der jedes Jahr am 10. September begangen wird, mit einer Kampagne dazu beitragen, Suizid zu enttabuisieren, auf Suizidalität aufmerksam zu machen, Wissen zu vermitteln, Vorurteile abzubauen sowie Betroffene und Angehörige zu stärken.
„Suizidalität ist kein Randthema, sondern betrifft Familien, Einrichtungen, Kommunen, soziale Räume sowie auch Wirtschaft und Sicherheit“, sagte heute Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention und dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) vor der Presse.
Jedes Jahr würden in Deutschland mehr als 10.000 Menschen durch Suizid sterben. Damit liege die Zahl über den Todesfällen durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen, so Fiedler. Hinzu kämen zahlreiche Suizidversuche sowie Angehörige, Freunde, Freundinnen und Kollegen, die mittelbar betroffen seien.
Fiedler verwies auf den aktuell diskutierten Entwurf eines Suizidpräventionsgesetzes und forderte, dabei sowohl zivilgesellschaftliches als auch institutionelles Engagement zu berücksichtigen. Engagement in der Suizidprävention dürfe nicht dauerhaft unentgeltlich bleiben. Erforderlich seien vielmehr öffentliche Anerkennung, Unterstützung sowie auch eine auskömmliche Finanzierung.
Zur Erinnerung: Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) soll nach der Sommerpause im Parlament diskutiert werden. Er knüpft an ein Vorhaben aus der vergangenen Legislaturperiode an.
Ende 2024 hatte das Bundeskabinett bereits ein Gesetz zur Stärkung der nationalen Suizidprävention beschlossen. Es soll die Suizidprävention dauerhaft gesetzlich verankern, eine bundesweite Koordinierung schaffen, Forschung und Aufklärung stärken und niedrigschwellige Hilfsangebote ausbauen.
Kern des geplanten Gesetzes ist die Einrichtung einer Bundesfachstelle für Suizidprävention im Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums. Sie soll unter anderem gemeinsam mit den Ländern ein Konzept für eine bundesweit einheitliche Krisendienst-Rufnummer entwickeln.
Mit der zeitgleich zur politischen Debatte laufenden bundesweiten crossmedialen Kampagne will das NaSPro die öffentliche Aufmerksamkeit für Suizidprävention stärken und den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.
Die Initiative wurde aus dem Engagement regionaler Netzwerke der Suizidprävention heraus entwickelt und gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Medien sowie Studierenden der Medienpsychologie an der Universität Würzburg erarbeitet. Dabei kamen dabei Erfahrungen aus der suizidpräventiven Praxis mit medienpsychologischen Perspektiven und gestalterischen Ideen zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei die Botschaft: „Suizidprävention ist möglich.“
Emilia Gögl, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medienpsychologie der Universität Würzburg, erläuterte die Konzeption. So solle die crossmediale Kampagne die Öffentlichkeit für das Thema Suizidprävention sensibilisieren und über Suizidalität informieren. Zugleich solle sie zum Handeln ermutigen – etwa dazu, suizidpräventive Organisationen zu unterstützen, Gespräche mit Bekannten zu beginnen oder selbst Unterstützung zu suchen. Zudem sollen Hilfsangebote sichtbarer gemacht werden.
Der Welttag der Suizidprävention sei nicht nur ein Tag der Aufklärung und des Gedenkens an Menschen, die durch Suizid gestorben seien, erklärte Fiedler. Es könne an diesem Tag auch sichtbar werden, dass Hilfe vorhanden sei und über Suizidalität gesprochen werden könne, ohne zu dramatisieren oder zu beschämen. Zugleich solle deutlich werden, dass Suizidprävention als gesellschaftliche Aufgabe nicht allein dem Gesundheitswesen überlassen werden kann.
Soeren Hauke von Lichtblick Flensburg und Heidi Graf von „Die Arche Suizidprävention und Hilfe“ in Lebenskrisen München verwiesen auf die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements. Suizidprävention finde nicht ausschließlich in Kliniken oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens statt, betonten sie.
Auch Vereine, Schulen, Kirchengemeinden, Betriebe, Nachbarschaften, Selbsthilfegruppen, regionale Netzwerke und Initiativen könnten dazu beitragen, dass Menschen wahrgenommen und schwierige Themen angesprochen würden.
„Suizidprävention braucht professionelle Hilfen – aber sie braucht ebenso eine Kultur, in der Menschen angesprochen werden können und in der Hilfe nicht als Scheitern erlebt wird“, betonten sie. Regionale Netzwerke brächten Einrichtungen, Institutionen und engagierte Personen einer Region zusammen. Dazu zählten unter anderem Beratungsstellen, psychiatrische und psychosoziale Versorgung, Selbsthilfe, kommunale Akteure, Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Initiativen.
Wenn Sie Suizidgedanken haben oder bei einer anderen Person wahrnehmen: Kostenfreie Hilfe bieten in Deutschland der Notruf 112, die Telefonseelsorge 0800/1110111 und das Info-Telefon Depression 0800/3344 533. Weitere Infos und Adressen unter www.deutsche-depressionshilfe.de.
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