Ärzteschaft

Neue Kommission „Einsatzbereitschaft und Krisenresilienz“: Anästhesisten bündeln Expertise

  • Dienstag, 21. April 2026
/sudok1, stock.adobe.com
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Nürnberg – Eine gemeinsame Kommission „Einsatzbereitschaft und Krisenresilienz“ haben die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) gegründet.

Angesichts einer sich rasant verändernden sicherheitspolitischen Lage und wachsender Anforderungen an die Gesundheitsversorgung in Krisen- und Katastrophensituationen wolle man die Rolle der Anästhesiologie in der medizinischen Krisenbewältigung systematisch weiterentwickeln und konkrete Konzepte für eine belastbare, sektorenübergreifende Versorgung erarbeiten, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

„Die Herausforderungen haben sich grundlegend verändert: Wir sprechen heute nicht mehr nur über einzelne Katastrophenszenarien, sondern auch über komplexe, langanhaltende Krisenlagen bis hin zum Verteidigungsfall. Dafür braucht es tragfähige, abgestimmte Strukturen – und die Expertise der Anästhesiologie“, erklärte der DGAI-Präsident Gernot Marx.

Die neue Kommission soll zentrale Fragestellungen der Krisenversorgung entlang der gesamten Versorgungskette aufgreifen und in konkrete Handlungsempfehlungen überführen – von der präklinischen Notfallversorgung über den OP und die Intensivmedizin bis hin zur Nachsorge.

„Durch unsere vielfältigen Aufgaben in diesen Bereichen haben wir eine besondere Gesamtperspektive auf Abläufe, Entscheidungswege und kritische Übergänge im System“, erläutere Grietje Beck, Präsidentin des BDA. Diese Schnittstellenkompetenz wolle man stärker in die Weiterentwicklung eines krisenfesten Gesundheitssystems einbringen und so bestehende, stärker interventionsbezogene Ansätze um eine durchgängige, versorgungsübergreifende Perspektive ergänzen.

Im Fokus der Kommissionsarbeit stehen unter anderem die Sicherstellung von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, strukturelle, technische und logistische Voraussetzungen für Krisenlagen sowie der Bedarf an zusätzlich vorzuhaltenden intensivmedizinischen Kapazitäten. Darüber hinaus sollen bestehende Initiativen besser miteinander verzahnt und die Abstimmung mit Fachgesellschaften, Behörden und politischen Akteuren gestärkt werden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit: Die Vernetzung zwischen Kliniken sowie die enge Anbindung an die Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplanung (KAEP) sollen gezielt weiterentwickelt werden, um im Ernstfall belastbare und abgestimmte Strukturen sicherzustellen. Die Kommission wird sich neben klinischen und organisatorischen Fragestellungen auch mit Qualifikation, Führung und interdisziplinärer Zusammenarbeit befassen.

„Die Gründung der Kommission ist ein wichtiger Schritt – entscheidend ist nun, dass die strukturellen Voraussetzungen für eine krisenfeste Gesundheitsversorgung auch politisch geschaffen werden“, so Marx. Jetzt komme es darauf an, vorliegende Erkenntnisse im geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz und in weiteren Reformvorhaben konsequent zu berücksichtigen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, verlässliche Führungsstrukturen, eine bessere Vernetzung der Akteure und eine nachhaltige Finanzierung.

aha

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