Neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Schleimhautpemphigoids

Berlin – Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat zusammen mit sechs weitere Fachgesellschaften und einer Selbsthilfeorganisation eine S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie des Schleimhautpemphigoids erarbeitet.
Es handelt sich dabei um eine chronisch verlaufende, Blasen bildende Autoimmunerkrankung. Am häufigsten manifestiert sie sich an der Mundschleimhaut, aber auch der Rachen, die Speiseröhre, die Genitalschleimhaut und die Schleimhaut am After können betroffen sein.
Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen sind die Bindehäute der Augen betroffen, was zur Einschränkung des Sehvermögens und im schlimmsten Fall zur Erblindung führt. Es erkranken vor allem ältere Menschen zwischen 60 und 80 Jahren.
Ziel der Leitlinie ist laut DDG, das klinische Bild einschließlich Schweregrad und Scoringsysteme darzustellen sowie eine Anleitung für die Diagnosestellung und Therapie dieser komplexen Erkrankung zu geben.
„Anders als bei den anderen bullösen Autoimmundermatosen ist beim Schleimhautpemphigoid eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zentral“, betont der Koordinator der Leitliniengruppe, Enno Schmidt von der Universitätshautklinik Lübeck.
Fachleute aus der Dermatologie, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Gynäkologie, Urologie, Zahnheilkunde und Gastroenterologie sollten die Betroffenen in spezialisierten Zentren gemeinsam behandeln, so der Experte.
Die Leitlinie empfiehlt für die Diagnostik eine direkte Immunfluoreszenzuntersuchung. Dafür wird anhand einer Gewebeprobe aus der Umgebung der geschädigten Schleimhaut oder von der Wangenschleimhaut mittels fluoreszierender Farbstoffe analysiert, ob im Gewebe Autoantikörper nachweisbar sind.
Sollte das Ergebnis negativ sein, wird die Entnahme mindestens einer weiteren Probe, und falls diese ebenfalls negativ ist, eine dritte Biopsie empfohlen. Weiterhin werden Serumantikörper gegen Basalmembranproteine wie die Pemphigoidantigene untersucht.
Wichtig sei nach der Diagnosestellung, rasch eine Therapie einzuleiten, um eine irreversible Vernarbung der Hautläsionen zu vermeiden. Ziel der Behandlung ist laut der Leitlinie die Unterdrückung der Bildung der Autoantikörper oder deren Reduktion im Blut und Gewebe sowie der Entzündung der Schleimhäute.
„Eine regelmäßige Betreuung der Erkrankten in spezialisierten Sprechstunden und je nach Organbeteiligung einem interdisziplinären Team ist entscheidend“, betonte Silke Hofmann, Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG und Koautorin der Leitlinie.
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