Politik

Niedersachsen: Mehr Hinweise auf sexuelle Übergriffe in Schulen und Kitas

  • Donnerstag, 16. August 2018
/BT IMAGE, stockadobecom
/BT IMAGE, stockadobecom

Hannover – Bei der Anlaufstelle für Opfer von Diskriminierung und sexueller Gewalt an Schulen und Kitas in Niedersachsen sind im vergangenen Jahr 145 Hinweise auf mögliche sexuelle Übergriffe eingegangen. Nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums war dies die höchste Zahl an Kontaktaufnahmen zu dem Thema seit Gründung der Anlaufstelle im Jahr 2012. Im Jahr 2016 lag die Zahl der Hinweise bei 116, im Jahr davor bei 107.

Als Ursachen für den Anstieg nannte ein Sprecher des Ministeriums den gewachsenen Bekanntheitsgrad der Anlaufstelle, aber auch eine Enttabuisierung des Delikts sowie eine höhere Sensibilisierung von Eltern, Schülern und Lehrern. Die statistische Erfassung der Hinweise unterscheidet nicht, ob es sich bei den gemeldeten Verdachtsfällen um sexuelle Übergriffe durch Lehrer auf Schüler handelt oder um Belästigungen von Schülern untereinander.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) informierte heute gemeinsam mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs, Johannes Wilhelm Rörig, über den Fachtag zum Thema „Schule gegen sexuelle Gewalt“. Bei der Tagung, an der auch Schulleiter teilnehmen, soll es um Möglichkeiten der Prävention sexueller Gewalt an Schulen gehen.

„Es ist gut, dass mit der Anlaufstelle eine Einrichtung geschaffen wurde, die diese Verdachtsfälle von außen betrachtet. So muss es nicht innerhalb der Schule gemeldet werden“, sagte der Vorsitzende des Landeselternrats, Mike Finke. Nach seiner Beobachtung nehmen anonyme Angriffe über soziale Netzwerke an Schulen zu. Dies gelte auch im Bezug auf sexuelle Belästigungen.

Wie sich aus der Statistik des niedersächsischen Kultusministeriums ergibt, wandten sich auch in anderen Bereichen zunehmend mehr Hilfesuchende an die Anlaufstelle. So gab es 2017 137 Hinweise wegen Diskriminierung. Im Jahr davor waren es noch 24. Die Zahl der Beschwerden wegen Mobbings und Cybermobbings stieg im gleichen Zeitraum von 74 auf 86.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bewertet die Arbeit der Anlauf­stelle positiv. „Kinder und Jugendliche vor jeglicher Form von sexueller Gewalt zu schützen, ist genau das richtige Ziel“, sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth. Jetzt müsse allerdings dafür gesorgt werden, dass in den Schulen noch stärker Gebrauch von diesem Service gemacht werde. Auch bräuchten die Lehrer ausreichend Zeit, um Anzeichen sexueller Gewalt erkennen zu können. Zudem benötigten die Schulen mehr Psychologen.

dpa

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung