Notfalldatenmanagement: Abschlussbericht mit Empfehlungen

Berlin – Die für den Aufbau der Telematikinfrastruktur zuständige Projektgesellschaft gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte) hat ihren Abschlussbericht zum Forschungsprojekt „Notfalldaten-Management-Sprint“ (NFDM-Sprint) veröffentlicht. Der Report enthält auch Empfehlungen der Experten. Untersucht wurden vor allem die Arbeitsabläufe, die mit dem Anlegen eines Notfalldatensatzes verbunden sind, um die Prozesse zu erproben und für den künftigen Einsatz zu optimieren. Hierfür wurden die Praxisverwaltungs-(PVS-) und die Kliniksoftware zwar an die Anwendung angepasst, die Datensätze jedoch noch nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert, sondern den Patienten auf Papier ausgehändigt.
Wichtige Ergebnisse der Prozessanalyse: Die elektronische Bearbeitungszeit für das Erstanlegen eines Notfalldatensatzes im PVS lag bei durchschnittlich vier Minuten, bei 75 Prozent der Notfalldatensätze lag sie unter zehn Minuten. Dies interpretieren die Experten als Hinweis auf die gute Nutzbarkeit der Software. Vor allem die Möglichkeit der Datenübernahme aus dem PVS und die Unterstützung durch medizinisches Assistenzpersonal beschleunigten dabei die Erstellung der Notfalldatensätze.
Auch liegen insbesondere im hausärztlichen Bereich die benötigten Angaben zu den Patienten in der Regel vollständig vor, was eine zügige IT-gestützte Erstellung des Notfalldatensatzes ermöglichte. Vor diesem Hintergrund war die große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte (80 Prozent) mit der IT-Nutzung und mit dem Anlageprozess „sehr“ beziehungsweise „eher zufrieden“.
Niedrigere Akzeptanz bei Klinikärzten
Anders bei den Klinikärzten: Beim erstmaligen Anlegen des Notfalldatensatzes lagen die Daten nicht immer vollständig vor, sodass auch eine schnelle Übernahme in den Notfalldatensatz nicht möglich war. Zudem erweis sich die Datenübernahme aus dem Krankenhausinformationssystem grundsätzlich als problematisch, und die Unterstützung durch Assistenzpersonal fehlte. Entsprechend war nur gut die Hälfte „sehr“ oder „eher zufrieden“ mit dem Anlageprozess.
Vor diesem Hintergrund sollte den Experten zufolge die Erstanlage des Datensatzes schwerpunktmäßig im hausärztlichen Bereich stattfinden und im Krankenhaus lediglich aktualisiert werden. Dabei ist die Einbeziehung des medizinischen Assistenzpersonals hilfreich.
Den Zeitaufwand für die Aufklärung und das Einholen der schriftlichen Einwilligung der Patienten wurde sowohl im niedergelassenen (77 Prozent) als auch im stationären Bereich (100 Prozent) als hoch bewertet. Patienten sollten aus Sicht der Experten daher „umfassend schon vor dem Anlageprozess und nicht nur durch Arztpraxen“ über die Anwendung informiert werden. Wichtig sei auch, bei der flächendeckenden Implementierung der Anwendung auf die „Usability“ der Praxis- und Krankenhaussoftware zu achten, da sie die Akzeptanz positiv beeinflusse und den Zeitaufwand senke.
Informationsabgleich mit dem Medikationsplan
Den teilnehmenden Ärzten zufolge waren 97,6 Prozent der Notfalldatensätze medizinisch notfallrelevant; sie wurden in der Regel für ältere, multimorbide Patienten sowie für solche mit wenigen, aber hochrelevanten Erkrankungen angelegt. Dabei waren 69 Prozent der Patienten älter als 60 Jahre. Durchschnittlich wurden für jeden Patienten sieben Diagnosen und fünf Medikamente dokumentiert.
Weil mehr als die Hälfte der Patienten, die für einen Notfalldatensatz infrage kommt, auch Anspruch auf den bundeseinheitlichen Medikationsplan beziehungsweise künftig den elektronischen Medikationsplan haben wird, raten die Experten, einen optimalen Informationsabgleich zwischen den beiden medizinischen Fachanwendungen in den Primärsystemen herzustellen, um Doppeldokumentation und Unstimmigkeiten zu vermeiden.
Zum Hintergrund: Ab 2018 sollen gesetzlich Versicherte ihre Notfalldaten nach dem E-Health-Gesetz auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) speichern lassen können. Um die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der medizinischen Anwendung vorab zu testen, hatten 31 niedergelassene Ärzte im Raum Münster/Westfalen und sieben Ärzte des Uniklinikums Münster (UKM) im vergangenen Jahr an einem sechsmonatigen Modellprojekt teilgenommen. Die Universität Erlangen-Nürnberg und das UKM haben das Pilotprojekt wissenschaftlich begleitet.
Im Zeitraum von Mai bis November 2016 legten die Ärzte 2.598 Notfalldatensätze und 573 Datensätze mit persönlichen Erklärungen (DPE) an. Der Notfalldatensatz enthält unter anderem Angaben zu Diagnosen, Medikamenten und Allergien, der DPE Hinweise zum Aufbewahrungsort etwa einer Patientenverfügung. Die Ergebnisse waren positiv: Sowohl die Mehrheit der teilnehmenden Ärzte als auch die Patienten hat das Projekt überzeugt. Sie halten die Anwendung für sehr sinnvoll und wünschen mehrheitlich die Fortführung auch nach Projektende.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: