Vermischtes

Notfallstrukturen: Vorschlag für Optimierung der Schnittstellen

  • Montag, 16. März 2026
/picture alliance, Caro, Sorge
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Gütersloh – Die Bertelsmann-Stiftung schlägt ein Konzept vor, wie der aufsuchende Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Rettungsdienst besser miteinander verzahnt werden können. Zur Erstellung des Konzeptes hatte die Stiftung Fachleute gebeten, Überlegungen zur Optimierung der bisherigen Strukturen und Prozesse zu diskutieren.

Dem Report zufolge versorgen Rettungsdienste und kassenärztliche Bereitschaftsdienste zunehmend eine ähnliche Gruppe von Notfällen – nämlich solche von eher niedriger Komplexität und geringerer Dringlichkeit („Low-Code-Fälle“), die meist zum hausärztlich-internistischen oder geriatrischen Formenkreis gehören.

„Dieses Spektrum von Hilfeersuchen hat eine große Schnittmenge mit den Patientinnen und Patienten, die vom aufsuchenden Dienst des Bereitschaftsdienstes behandelt werden. Eine Überleitung zwischen den beiden Institutionen erfolgt – außer in Berlin – nicht systematisch“, heißt es in der Publikation.

Fehlentscheidungen und unzureichende medizinische Ersteinschätzung führen nach Darstellung des Berichts häufig zu Fehlallokationen von Fällen und damit zu einer ineffizienten Belastung der Notfallstrukturen.

Zugleich sehen sich beide Systeme mit strukturellen Veränderungen konfrontiert: In der vertragsärztlichen Versorgung erschwerten Ärztemangel und sinkende Bereitschaft zur Teilnahme am Notdienst die Besetzung des aufsuchenden Fahrdienstes, insbesondere in ländlichen Regionen. Parallel steige im Rettungsdienst der Anteil von „Low-Code-Fällen“. Expertenschätzungen zufolge können mindestens 30 Prozent der Einsätze dieser Kategorie zugeordnet werden.

Als Lösungsansatz schlägt die Stiftung ein stärker integriertes System der Notfallsteuerung vor. Leitstellen der Rettungsdienste und der kassenärztlichen Versorgung sollten enger kooperieren und standardisierte Ersteinschätzungssysteme nutzen. Werde ein „Low-Code-Fall“ identifiziert, sollte zunächst eine telemedizinische ärztliche Beratung erfolgen. Erfahrungen aus Modellprojekten zeigten, dass auf diesem Weg rund 70 Prozent der Hilfeersuchen abschließend geklärt werden können.

Erweise sich ein Vor-Ort-Besuch dennoch als notwendig, sollte dieser künftig häufig nicht mehr durch Ärzte erfolgen, sondern durch speziell weiterqualifiziertes Gesundheitsfachpersonal, etwa Notfallsanitäter mit zusätzlicher Ausbildung. Diese könnten telemedizinisch von Ärzten unterstützt werden.

Für die Umsetzung sieht das Studienteam mehrere Voraussetzungen: eine bundeseinheitliche Definition von „Low-Code-Fällen“, ein gemeinsames Leitstellen- und Ersteinschätzungssystem, zusätzliche Qualifikationen für eingesetztes Fachpersonal sowie rechtliche Klarstellungen zur Delegation medizinischer Leistungen. Zudem müsse die Finanzierung zwischen Rettungsdiensten und Kassenärztlichen Vereinigungen neu abgestimmt werden.

hil

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