Ökonomen: Kürzungen bei Krankenkassen können Kosten in anderen Versicherungen erhöhen

Berlin – Kürzungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verringern dort die Ausgaben, können aber gleichzeitig zu höheren Kosten in der Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung führen. Davor warnen Ökonomen des Münchner Ifo-Instituts und der Stanford University in einem gemeinsamen Aufsatz. „Gesundheit endet nicht an der Grenze der GKV“, heißt es darin laut Mitteilung von heute.
Ifo-Forscher Roman Klimke und seine Koautorin Maria Polyakova von der Stanford University plädieren dafür, Gesundheitspolitik zusätzlich an ihren langfristigen Wirkungen auf Erwerbsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und öffentliche Finanzen zu messen.
Dieselbe Person sei im Lebensverlauf Patientin, Arbeitnehmerin, Beitragszahlerin und später möglicherweise pflegebedürftig - Einsparungen in einem System können deshalb Lasten in ein anderes verschieben.
Schon heute berichte fast die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen von einer langanhaltenden Krankheit. Dies zeige, „wie eng Gesundheit und Erwerbsfähigkeit im höheren Alter verknüpft sind“.
„Eine Reform, die Ausgaben nur von einer Kasse in die andere verlagert, ist keine echte Einsparung für den Sozialstaat“, erklärte Klimke. Die Forschenden schlagen deshalb eine Sozialstaatsrechnung vor, die Kosten und Nutzen über Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitsmarktinstitutionen hinweg bewertet.
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