Parteiübergreifender Parlamentskreis „Prävention“ gegründet

Berlin – Abgeordnete verschiedener Fraktionen haben gestern den parteiübergreifenden Parlamentskreis „Prävention“ gegründet.
Ziel des Zusammenschlusses sei es, Prävention und Gesundheitsförderung fraktionsübergreifend stärker in den Fokus der politischen Arbeit zu rücken und entsprechende Maßnahmen gemeinsam voranzubringen, so der Vorstand des Gremiums, den Anne Janssen (CDU), Tanja Machalet (SPD), Johannes Wagner (Grüne), Ates Gürpinar (Linke) und Emmi Zeulner (CSU) bilden.
Nach Auffassung des Parlamentskreises bietet eine stärkere Prävention erhebliche Chancen. Jeder vermiedene Krankheitsfall entlaste Betriebe, Sozialversicherungen und Familien und stärke zugleich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Prävention sei deshalb keine zusätzliche Belastung, sondern eine Investition in die Zukunft des Landes. Die Initiatoren kritisieren, dass die Umsetzung wirksamer Präventionsmaßnahmen in der Vergangenheit häufig an Partikularinteressen und fehlender fraktionsübergreifender Zusammenarbeit gescheitert sei.
„Als Arzt weiß ich, dass es frustrierend sein kann, gegen ein System anzuarbeiten, das die Menschen durch gezielte Werbung und Preisgestaltung immer kränker macht“, sagte Vorstandsmitglied Wagner dem Deutschen Ärzteblatt. Eine Veränderung des Lebensstils sei alles andere als einfach, wenn die gesunde Wahl nicht die einfachste und schnellste sei, weil die notwendigen Rahmenbedingungen fehlten.
Auch er habe als Kinderarzt in Weiterbildung mit Kindern und Jugendlichen oft darüber gesprochen, wie wichtig eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sei, so Wagner. Dabei habe er feststellen müssen, dass die Umstände, in denen diese Kinder aufwachsen würden, häufig nicht gesundheitsförderlich seien.
„Ich bin deswegen überzeugt, dass wir mit einer effektiven Verhältnisprävention die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte ganz wesentlich unterstützen. Wir lindern Krankheitslast und Leid und sparen dabei auch noch Geld. Denn weniger Erkrankungen bedeuten auch eine Entlastung des Gesundheitssystems“, sagte er.
Zusätzlich dürfe man den äußerst wichtigen Beitrag der Ärztinnen und Ärzte für die Prävention nicht aus dem Blick verlieren, betonte Wagner. Für ausführliche Beratungsgespräche sei unter den aktuellen Umständen meist keine Zeit. „Das müssen wir ändern und die sprechende Medizin stärken.“
Den ersten politischen Schritt zu einer starken Prävention in Deutschland sei man mit der Gründung des Parlamentskreises schon gegangen, so Wagner. Jetzt wolle man sich über konkrete Maßnahmen verständigen, die fraktionsübergreifend umgesetzt werden sollen. Neben der angekündigten Herstellerabgabe auf Zucker seien noch weitere Schritte erforderlich – etwa in den Bereichen Arbeitswelt, Ernährung, gesundheitliche Versorgung und Stadtplanung.
Deutschland verfüge zwar über eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, betonte der Vorstand des Parlamentskreises Prävention in einer gemeinsamen Erklärung, doch die Lebenserwartung sei unterdurchschnittlich gering. Als Ursachen seien auch Defizite bei der sozialen Infrastruktur zu sehen.
Zudem verweist das Gremium auf den Public Health Index von AOK und Deutschem Krebsforschungsinstitut aus dem Dezember 2025. Demnach werden chronische Erkrankungen häufig durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel sowie Alkohol- und Tabakkonsum verursacht oder verstärkt. Dies belaste sowohl Millionen Menschen als auch das Gesundheitssystem und habe zugleich erhebliche wirtschaftliche Folgen.
Um diesen Fakt in die Bevölkerung zu tragen, wurde die gestrige Gründungsveranstaltung von der ehemaligen Schwimmerin und zweifachen Olympiasiegerin Britta Steffen sowie der Köchin und Vorstandsvorsitzenden der Sarah Wiener Stiftung und ehemaligen Europaabgeordneten Sarah Wiener begleitet.
Steffen warb dafür, Bewegung im Alltag einfacher zu machen. Dafür brauche es unter anderem breitere Gehwege, sichere Radwege, Spielplätze und eine stärkere Förderung des Vereinssports. Wiener betonte, politische Rahmenbedingungen müssten so gestaltet werden, dass gesundes Verhalten zur einfachsten Wahl werde.
Nach Angaben des Parlamentskreises spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung in verschiedenen Umfragen für eine stärkere Präventionspolitik aus. Die Initiatoren sehen deshalb die Förderung gesunder Lebensbedingungen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die über Parteigrenzen hinweg verfolgt werden müsse.
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