Pflege durch Angehörige im häuslichen Umfeld nimmt zu

Berlin – Die Anzahl pflegebedürftiger Menschen, die zuhause ohne die professionelle Unterstützung von einen Pflegedienst versorgt werden, nimmt zu. Dies hat der „Report Pflegebedürftigkeit“ für das Jahr 2025 des Medizinischen Dienstes (MD) Bund ergeben. Der Report wurde heute veröffentlicht.
Demnach beantragte im vergangenen Jahr mehr als jeder zweite Pflegebedürftige Pflegegeld (59,6 Prozent), mit dem die Pflege durch An- und Zugehörige selbst organisiert wird. Dem Pflegereport zufolge lebten neun von zehn Pflegebedürftige noch in eigener Häuslichkeit – die meisten von ihnen allein oder mit weiteren Personen. Allein lebten mehr pflegebedürftige Frauen (44,1 Prozent) als Männer (26,1 Prozent).
Ambulante Sachleistungen, zu denen insbesondere die Pflege durch einen Pflegedienst zählt, wurde von 11,2 Prozent der Pflegebedürftigen beantragt. Weitere 19,3 Prozent entschieden sich für eine Kombination aus Pflegegeld und ambulanten Sachleistungen, 9,4 Prozent stellten einen Antrag auf vollstationäre Pflege. Rund die Hälfte der Versicherten beantragte Pflegeleistungen erst dann, wenn sie in ihrer Selbstständigkeit und ihren Fähigkeiten bereits erheblich beeinträchtigt waren und Pflegegrad 2 oder höher vorlagen.
Den Erstbegutachtungen des MD zufolge erhielt im vergangenen Jahr rund ein Drittel der Pflegebedürftigen Pflegegrad 2 (34,5 Prozent), Pflegegrad 3 bekamen 11,7 Prozent. In Pflegegrad 4 wurden 2,7 Prozent eingestuft, in Pflegegrad 5 rund 0,9 Prozent. Pflegegrad 1 wurde bei 29 Prozent vergeben. Gut ein Fünftel der Antragstellenden bekam keinen Pflegegrad.
Mit 3,1 Millionen wurde 2025 der bisherige Höchststand an jährlichen Pflegebegutachtungen erreicht. Der überwiegende Teil des Anstiegs ist demnach auf ambulante Leistungsanträge zurückzuführen, während die Begutachtungszahlen für beantragte vollstationäre Leistungen nahezu konstant waren.
Um die Selbstständigkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten und einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken, konnten die Gutachter des MD bei acht von zehn Versicherten bei der Erstbegutachtung individuelle Empfehlungen aussprechen. Empfohlen wurden etwa in 37,5 Prozent der Fälle Physiotherapie oder Ergotherapie (34 Prozent). Jede zweite pflegebedürftige Person bekam eine Hilfsmittelempfehlung.
Immer mehr Jüngere pflegebedürftig
Die meisten Menschen werden im Alter zwischen 75 und 90 Jahren pflegebedürftig. Allerdings hat die stärkere Berücksichtigung kognitiver, psychischer und psychiatrischer Beeinträchtigungen bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit dazu beigetragen, dass auch immer mehr Jüngere pflegebedürftig sind.
Dem Pflegereport zufolge erhöhte sich die Pflegebedürftigkeit in den Altersgruppen 18 bis 59 Jahre sowie 60 bis 69 Jahre in den vergangenen Jahren um mehr als 150 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren hat sich die Zahl innerhalb eines Jahrzehnts fast vervierfacht: von rund 53 000 im Jahr 2015 auf rund 190 000 im Jahr 2025.
Grund sind vor allem Beeinträchtigungen aufgrund hyperkinetischer Störungen wie beispielsweise Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und Entwicklungsstörungen.
Grundlage des Pflegebedürftigkeitsreports des MD ist die Auswertung von Daten aus über drei Millionen Pflegebegutachtungen, die die Medizinischen Dienste bundesweit 2025 durchgeführt hat.
Insgesamt erhielten Ende 2025 rund sechs Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. Die Zahl der Leistungsempfänger hat sich damit seit 2015 fast verdoppelt und wird Prognosen zufolge auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Grund sind unter anderem eine steigende Lebenserwartung und die Zunahme chronischer Erkrankungen.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist für das Jahr 2055 von einer Anzahl von rund 7,6 Millionen Pflegebedürftigen auszugehen.
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