Politik

Pilsinger will mehr Versorgung in nicht-ärztliche Hände verlagern

  • Donnerstag, 24. September 2026
CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger /picture alliance, dts-Agentur Nachrichtenagentur GmbH
CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger /picture alliance, dts-Agentur Nachrichtenagentur GmbH
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Berlin – Im Gesundheitssystem müssten künftig mehr Leistungen von nicht-ärztlichen Berufen erbracht werden. Das forderte CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger gestern in Berlin. Das geplante Primärversorgungssystem werde im Schnitt zu 500 bis 1.000 zusätzlichen Patientenkontakten pro Praxis und Quartal führen, erklärte er bei einer Veranstaltung des Branchenverbands Pharma Deutschland. Auch deshalb müsse die Versorgung verlagert werden.

„Wir müssen schauen, dass möglichst viele Menschen erst gar nicht zum Arzt gehen. Viele Fälle, die heute in der Praxis aufschlagen, hätte meine Mama früher selbst gemacht“, sagte er. Auch bei Arzneimittelverordnungen müssten Regularien geändert werden, die zu unnötigen Arztkontakten führen, beispielsweise zur Abholung von Rezepten. Auch sei es zum Beispiel „nicht mehr vermittelbar“, warum Schmerzmittel wie Ibuprofen 400 mg rezeptfrei sind, die Dosis 800 mg aber verordnungspflichtig.

Er sei deshalb offen für mehr sogenannte OTC-Switches, also die Entlassung von Arzneimitteln aus der Verschreibungspflicht, wie es Pharma Deutschland bei der Veranstaltung forderte.

Die Selbstmedikation durch Patientinnen und Patienten müsse gestärkt werden. „Ich glaube, wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass der Staat, der Arzt, das Gesundheitswesen immer alles besser wissen als der Patient“, unterstrich er.

Vor allem aber müsse die Versorgung auf mehr nicht-ärztliche Leistungserbringer ausgeweitet werden. So sei er ein Befürworter des Impfens in Apotheken und sehe Streit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen über dieses Thema kritisch. „Wir dürfen uns nicht weiter gegenseitig blockieren“, sagte er.

Allerdings kritisieren nicht nur BÄK und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), sondern auch eine breite Allianz ärztlicher Verbände, zu dem die Berufsverbände der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ) sowie Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI), der Hartmannbund, der Hausärztinnen- und Hausärzteverband, der Marburger Bund, der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) sowie der Virchowbund gehören, eine „völlig unsystematische Übertragung ärztlicher Kompetenzen auf Apotheken“.

Dies würde weder die Apotheken stärken noch die Versorgung verbessern, sondern konsekutiv zusätzliche Arztkontakte verursachen, schrieben die Verbände anlässlich des ApoVWG-Gesetzgebungsverfahrens in einer gemeinsamen Erklärung.

lau

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