Psychotherapeutentag: Weiterbildung braucht gesicherte Finanzierung

Travemünde – Die Delegierten des 48. Deutschen Psychotherapeutentags (DPT), der am Wochenende in Travemünde stattfand, fordern die Bundesregierung in einer Resolution auf, die Vereinbarung im Koalitionsvertrag zur Sicherstellung der Weiterbildungsfinanzierung in der Psychotherapie umzusetzen.
Zwar seien schon einige Praxen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Ambulanzen und Kliniken als Weiterbildungsstätten für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zugelassen. „Die Einrichtung von ausreichenden Weiterbildungsstellen kann jedoch nur realisiert werden, wenn auch die Finanzierung gesichert ist“, heißt es in der Resolution.
Für eine angemessene Finanzierung der Weiterbildung haben sich die Psychotherapeutentage der vergangenen Jahre immer wieder engagiert. Psychotherapeuten sind zudem gemeinsam mit Studierenden auf die Straße gegangen, um auf die Situation der Absolventen der Masterstudiengänge Klinische Psychologie und Psychotherapie aufmerksam zu machen.
Nach ihrem Abschluss, der mit der Approbation endet, finden sie aufgrund der nicht ausreichenden Finanzierung kaum Weiterbildungsstellen. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) gibt es inzwischen 1.643 Weiterbildungsstellen, davon 1.168 im ambulanten Bereich, 453 stationär und 22 in Institutionen.
„Tatsächlich davon besetzt ist nach unserer Schätzung aber nur eine Zahl im unteren dreistelligen Bereich – ohne gesicherte Finanzierung bestehen diese Stellen überwiegend nur auf dem Papier“, sagte die Präsidentin der BPtK, Andrea Benecke, beim Psychotherapeutentag. Erwartet werden ihr zufolge in diesem Jahr mindestens 2.000 Absolventen der Masterstudiengänge.
Viele Studierende würden ihren Studienabschluss hinauszögern, solange ein Mangel an Weiterbildungsstellen bestehe, betonte Benecke. Auf der anderen Seite sei bei Kammerangehörigen, Instituten und Kliniken Zurückhaltung erkennbar, Zulassungen für die Weiterbildung zu beantragen.
Die BPtK und der DPT machen auf die Folgen der Situation in der Weiterbildung aufmerksam: „Es droht ein Fachkräftemangel, den sich Deutschland angesichts des hohen Versorgungsbedarfs durch psychische Erkrankungen nicht leisten kann.“
Es brauche jetzt dringend gesetzliche Regeln zur Förderung der Weiterbildung: Die Weiterbildung in Praxen und MVZ müsse analog zur Allgemeinmedizin und zu den grundversorgenden Fachärzten gezielt gefördert werden. Weiterbildungsambulanzen müssten sämtliche mit der Behandlung durch Weiterbildungsteilnehmende verbundenen Kosten in die Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen einbringen können.
Zusätzliche Stellen für die obligatorische stationäre Weiterbildung in Kliniken müssen in einer Übergangsphase refinanziert werden, solange bestehende Personalstellen noch durch Psychologinnen und Psychologen sowie Teilnehmende der alten Psychotherapeutenausbildung besetzt seien.
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