Politik

Psychotherapeutentag wehrt sich gegen Honorarkürzungen in der Psychotherapie

  • Freitag, 8. Mai 2026
Andrea Benecke, Präsidentin der BPtK /BPtK, Foto: Oliver Schmidt
Andrea Benecke, Präsidentin der BPtK /BPtK, Foto: Oliver Schmidt

Lübeck-Travemünde – Der 48. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) wurde heute ganz vor dem Hintergrund der erwarteten Auswirkungen des Kabinettsentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf die psychotherapeutische Versorgung eröffnet.

„Uns ist bewusst, dass die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden muss. Aber wer an unserer extrem effizienten ambulanten Versorgung tiefe Einschnitte vornimmt, verschlechtert und verteuert das Gesundheitssystem. Das können wir nicht hinnehmen“, sagte Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), vor den Delegierten des DPT in Lübeck-Travemünde.

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sei gerade im Hinblick auf die vorgesehene Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen „keine historische Reform“, wie Bundeskanzler Friedrich März bei der Pressekonferenz zu dem Kabinettsentwurf erklärt hatte, sondern ein „historischer Irrtum“, so Benecke. „Deckelung von Vergütung heißt Deckelung von Versorgung, insofern ist das Gesetz ein Wartezeitenverlängerungsgesetz.“ Psychotherapeutische Leistungen werden bislang extrabudgetär vergütet.

Die BPtK-Präsidentin wies auf die 9-Punkte-Erklärung der psychotherapeutischen und psychiatrischen Organisationen und Fachgesellschaften hin, die die gemeinsame Basis für den Kampf gegen die im Gesetzentwurf vorgesehenen Einschnitte in der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen bilden soll.

Neben der Abkehr von der extrabudgetären Vergütung ist auch vorgesehen, die Zuschläge in der Kurzzeittherapie aufzuheben. Die 9-Punkte-Erklärung fordert die Politik auf, „die Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen fair und zukunftsfest zu sichern“.

Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), würdigte in seiner Videobotschaft die „großartige Tätigkeit“ der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Die angekündigte Kürzung der psychotherapeutischen Vergütung bezeichnete er als „große Herausforderung“, die derzeit auch den Schleswig-Holsteinischen Landtag beschäftige.

„Der aktuelle Versorgungsbedarf zeigt unmissverständlich auf, dass es ein breites Angebot an psychotherapeutischen Leistungen braucht“, sagte Olaf Tauras, Staatssekretär im Ministerium für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein. Deshalb setzten sich die Länder für eine verlässliche und auskömmliche Vergütungsstruktur und für gute Bedingungen in der psychotherapeutischen Weiterbildung ein.

Der Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz habe das Bundesgesundheitsministerium aufgefordert, den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschuss vom 11. März, das Honorar der ambulanten Psychotherapie um 4,5 Prozent zu kürzen, rechtsaufsichtlich zu überprüfen, betonte er.

Außerdem bestehe eine breite Überzeugung, dass die Finanzierung der Weiterbildung einer Neuregelung bedürfe. „Die Psychotherapie braucht angesichts der steigenden Bedarfe mehr Fachkräfte“, erklärte Tauras.

Die nicht ausreichende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung wird den 48. Deutschen Psychotherapeutentag noch an diesem Wochenende beschäftigen. Die Delegierten tagen bis zum 9. Mai in Lübeck-Travemünde.

PB

Diskutieren Sie mit:

1

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Kommentare (1)

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung