Politik

Separate Bedarfsplanung für psychisch kranke Kinder und Jugendliche gefordert

  • Mittwoch, 22. April 2026
/New Africa, stock.adobe.com
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Berlin – Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) fordern die Politik in einem Positionspapier auf, Schritte zu unternehmen, um die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher zu stärken. Dazu gehören ihres Erachtens eine bessere alltagsnahe Prävention, die Einführung einer gezielten separaten Bedarfsplanung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen und die Stärkung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung.

BPtK und BKJPP weisen in dem Papier auf den zunehmenden Bedarf junger Menschen an psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung hin. Allein die Zahl der Depressionen sei Studien zufolge bei Fünf- bis 24-Jährigen zwischen 2018 und 2023 um 30 Prozent gestiegen. Bei jedem fünften Heranwachsenden bestehe der Verdacht auf eine Essstörung. Schwere Krankheitsverläufe nähmen zu.

Sie nennen diese Entwicklung „alarmierend“ und dennoch gebe es zu wenig spezifische Behandlungskapazitäten. Kinder und Jugendliche müssten in der Folge durchschnittlich 28 Wochen auf einen Therapieplatz warten. Besonders schwierig sei die Situation auf dem Land, heißt es.

„Jeder Tag, den erkrankte Kinder und Jugendliche auf Hilfe warten müssen, ist einer zu viel. Psychische Erkrankungen verschlimmern und chronifizieren sich, Teilhabe und Bildungschancen geraten in Gefahr, Familien an ihre Grenzen“, sagt BPtK-Präsidentin Andrea Benecke. Nötig sei deshalb eine gezielte Verbesserung der Versorgung.

Der BKJPP als Vertreter der ärztlichen Psychotherapie für Kinder und Jugendliche sieht einen unvermindert hohen Bedarf an ambulanter psychotherapeutischer Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Besonders die Sicherstellung der Versorgung schwer kranker Kinder und Jugendlicher ist dem Verband wichtig. „Dafür bedarf es einer sicheren Bedarfsplanung besonders für die ländlichen Regionen, um stabile und am Bedarf orientierte Versorgungsnetze aufzubauen“, so der Berufsverband.

Die Einführung einer gezielten separaten Bedarfsplanung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist deshalb das Hauptziel von BKJPP und BPtK. Aktuell sei die Bedarfsplanung für junge Menschen eine Art Anhängsel der allge­meinen Bedarfsplanung (20-Prozent-Quote). Wo wie viele (psychisch erkrankte) junge Menschen leben, spiele dabei aber keine Rolle.  

Nur eine zielgenaue Bedarfsplanung könne wohnortnahe, bedarfsgerechte, flexible und altersadäquate Angebote fördern. Kapazitäten fehlten insbesondere im ländlichen Raum, in strukturschwachen Regionen und in sozial benachteiligten Stadtteilen, schreiben BPtK und BKJPP. „Kinder können keine weiten Wege zur Therapie bewältigen und deshalb nicht durch Angebote in weiter entfernten (Groß-)Städten mitversorgt werden.“

Die Bundesregierung hat die separate Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche bereits im Koalitions­vertrag verankert. BPtK und BKJPP fordern, den gesetzlichen Auftrag dazu, jetzt zu beschließen.

Sie fordern zudem eine Präventionsstrategie, mit der die systemischen Risiken identi­fiziert sowie Kinder und Jugendliche in ihren Lebenswelten individuell gestärkt werden. „Psychische Gesundheit in Lehrplänen und Bildungsprogrammen, aufsuchende Beratung in Schulen und niedrigschwel­lige Unterstützungsangebote sind dabei zentrale Bausteine“, schreiben sie in dem Positionspapier.

Darüber hinaus sollte den Experten zufolge die ambulante kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung als Teil der Grundversorgung gestärkt werden. Die sozialpsychiatrische Versor­gung und die ambulante Komplexversorgung als gemeinsame Aufgabe von Kinder- und Jugendpsychiatern sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten seien wichtige Elemente in der Versorgung. „Die Rahmenbedin­gungen müssen so flexibilisiert werden, dass eine ambulantintensive, multi­professionelle Behandlung ermöglicht wird und das Ambulantisierungspoten­zial bestmöglich realisiert werden kann“, schreiben sie in dem Positionspapier.

PB

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