Ärzteschaft

Rationaler Einsatz von Antibiotika in Westfalen-Lippe

  • Montag, 18. November 2024
/Christian Schwier, stockadobecom
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Münster/Dortmund – Beim Verordnungsverhalten der Praxen bei Antibiotika in Westfalen-Lippe gibt es erste Erfolge zu verzeichnen. Darauf haben die Ärztekammer (ÄKWL) und die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) Westfalen-Lippe mit Blick auf eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hingewiesen.

Demnach bleibt der Trend rückläufig. In Westfalen-Lippe entfielen demnach im Jahr 2022 42 Prozent der Antibio­tikaverschreibungen auf Reserveantibiotika. Im Vorjahr 2021 lag der Anteil bei 45 Prozent. Die Auswertung geht an fast 4.000 Praxen in Westfalen-Lippe und beleuchtet das individuelle Verordnungsverhalten der Praxis im Vergleich zur Fachgruppe.

„In absehbarer Zeit stehen neue Antibiotika nicht in relevantem Ausmaß zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund ist ein zielgerichteter Einsatz vorhandener Antibiotika dringend geboten“, sagte ÄKWL-Präsident Johannes Albert Gehle. Ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika im Sinne des Antibiotic-Stewardships sei eine Herausfor­derung, die man nicht allein angehen könne.

„Um systematisch und nachhaltig zu wirken, braucht es ein vernetztes Vorgehen aller, die an der Patientenver­sorgung beteiligt sind. Durch den interprofessionellen und regionalen Austausch können Kooperationen und Vernetzungen gestärkt werden“, sagte er.

„Der flächendeckende, vorschnelle und manchmal unspezifische Einsatz von Präparaten mit breitem Wirkungs­spek­trum führt zunehmend zu Resistenzen“, erläuterte Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL. Daher sei ein verantwortungsbewusster Umgang weiter unabdingbar. Die Zahlen zeigten, dass die emeinsamen Initiativen in Westfalen-Lippe Wirkung erzielten. Spelmeyer stellte klar, dass zwar ein erstes Etappenziel erreicht sei. Man dürfe in den Bemühungen aber nicht nachlassen.

Als Reserveantibiotika werden Antibiotika bezeichnet, die für einen Einsatz mit strenger Indikation vorgesehen sind. Sie sollen verwendet werden, wenn Standardantibiotika nicht mehr helfen, beispielsweise bei Infektionen mit Bakterien, die gegen die gängigen Antibiotika resistent sind.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe hat sich schon früh auf verschiedenen Ebenen für eine rationale Antibiotikatherapie eingesetzt. Dazu gehört unter anderem ein seit 2018 jährlich zur Verfügung gestelltes Repor­ting für Allgemeinmediziner, Kinder- und Jugendärzte, Gynäkologen, HNO-Fachärzte und Urologen.

Auch die Teilnahme und Unterstützung einzelner Initiativen sind zu nennen, beispielsweise das lokale Projekt „Antibiotische Therapie in Bielefeld“ (AnTiB), das Innovationsfondsprojekt RESIST (Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen) und das ABS-Netzwerk Westfalen-Lippe.

EB/aks

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