Reinhardt beklagt „unübersichtliches Gesundheitssystem“

Berlin – Das deutsche Gesundheitssystem ist aus Sicht des Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, unübersichtlich und für viele Menschen überfordernd. „Wie sollen Patientinnen und Patienten in einem so hochspezialisierten, komplexen System wissen, wann sie welche Versorgungsstrukturen aufsuchen müssen“, sagte Reinhardt.
Die Bundesärztekammer plädiere daher für ein Primärversorgungssystem, bei dem sich Patienten verbindlich für eine Arztpraxis als erste Anlaufstelle entscheiden müssten, die sie dann durch das System leite. „Aktuell wirkt das System in manchen Bereichen wie ein Selbstbedienungsladen, ohne dass die Patientinnen und Patienten das zu verschulden hätten“, betonte der BÄK-Präsident.
Es gebe Patienten mit mehreren Hausärzten gleichzeitig, andere gingen direkt zu Fachärzten, ohne dass es medizinisch sinnvoll und erforderlich wäre. „Das zeigt, dass klare Strukturen und Orientierung nötig sind. In anderen Bereichen, etwa im Straßenverkehr, haben wir auch klare Regeln, die Sicherheit und reibungslose Abläufe gewährleisten.“
Er halte daher auch eine Ersteinschätzung digital oder telefonisch für sinnvoll. Gerade im Alter von 20 bis 40 Jahren hätten viele gesunde Menschen keinen festen Hausarzt. „Im Zweifel gehen sie in die Rettungsstelle, oft unnötigerweise. Andere, die wirklich dringend behandelt werden sollten, müssen dadurch warten“, so Reinhardts Kritik. Es sei daher auch eine Frage der Solidarität.
Für ältere Menschen bleibe der telefonische und persönliche Kontakt wichtig. „Für andere reicht eventuell ein KI-Tool mit einem rund um die Uhr verfügbaren Avatar, der Fragen beantwortet“, sagte Reinhardt. Entscheidend sei, dass das neue, lernende System gemeinsam mit den ärztlichen Organisationen entwickelt, getragen und organisiert werde und dass es bundesweit einheitlich funktioniere.
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