Ärzteschaft

Reinhardt drängt auf Böllerverbot zum Schutz der Bevölkerung

  • Montag, 29. Dezember 2025
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer /picture alliance, Metodi Popow
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer /picture alliance, Metodi Popow

Berlin – Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, hat erneut eindringlich zur Verhängung eines Böllerverbots an Silvester aufgerufen. Die Innenminister von Bund und Ländern müssten „endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die ungeregelte Knallerei führe immer wieder zu schweren Verletzungen auch bei Unbeteiligten, sie ängstige viele Menschen, sei schlecht für das Klima und verursacht enormen Müll.

„Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden“, forderte der Mediziner. Das habe „nichts mit Verbotskultur zu tun, sondern zeugt von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen“.

Er führte aus, jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Augenverletzungen und Verbrennungen.

„Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen“, sagte Reinhardt. Zudem würden Knallkörper immer wieder als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte eingesetzt.

Aus Reinhardts Sicht ist es außerdem vollkommen unangebracht, das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen, während hierzulande mehr als eine Million Kriegsflüchtlinge lebten, etwa aus der Ukraine oder Syrien. „Viele von ihnen haben in ihrer Heimat Bomben und Granaten erleben müssen. Da löst die Silvesterknallerei nicht selten sogar Todesängste aus“, mahnte der BÄK-Präsident.

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) kritisierte Reinhardts Äußerungen als „sachfern“. Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich „praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk“, erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen „streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert“.

Der Verkauf von Feuerwerk wie Silvesterraketen ist in Deutschland nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen des Jahres erlaubt. Dieses Jahr startet der Verkauf am heutigen Montag. Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) machte die Branche zum Jahreswechsel 2024/2025 mit rund 197 Millionen Euro einen Rekordumsatz.

afp

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