Ärzteschaft

Reinhardt: Kliniken müssen Patienten dienen, nicht Profit

  • Montag, 25. Mai 2020

Berlin – Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, fordert, gleich mehrere Lehren aus der Coronakrise für das deutsche Gesundheitssystem zu ziehen. „Kliniken sind Einrichtungen der Daseinsfürsorge und keine Industriebetriebe, die sich ausschließlich an Rentabilitätszahlen ausrichten“, sagte er der Passauer Neuen Presse.

Krankenhäuser müssten Patienten dienen, nicht dem Profit. Das sollte sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Außerdem mahnte Reinhardt an, die Abhängigkeit Europas bei Medikamenten und Schutzausrüstung von „Fernost“ zu reduzieren und Krankenhäusern „das Vorhalten von Personal und Technik“ zu finanzieren.

Die aktuelle Lage in der Pandemie sieht der Bundesärztekammerchef zwiespältig. Einer­seits sehe es so aus, „als seien wir bei den Erstinfektionen über den Berg“, sagte Rein­hardt. Andererseits sei es sehr wahrscheinlich, dass „wir eine zweite Welle der Corona­pan­demie erleben werden, weil wir keine ausreichende Immunität in der Bevölkerung haben“.

Dass es noch in diesem Jahr einen Impfstoff gibt, hält Reinhardt für „unwahrscheinlich“. „Wir verfügen noch nicht einmal über ein wirksames Therapeutikum, welches die Krank­heit heilt.“ Deswegen sei es auch noch zu früh, um über eine Impfpflicht zu sprechen.

Diese lehnt Reinhardt im Zusammenhang mit dem Coronavirus ab. „Wir überlassen es auch dem Einzelnen, ob er sich gegen die Influenza impfen lassen möchte. Wir sollten die Menschen davon überzeugen, sich impfen zu lassen.“ Aktuell sei allenfalls zu prüfen, „wen man prioritär impft“.

Als „sehr ernstes Problem“ bezeichnete es der BÄK-Präsident, dass viele notwendige ärztliche Behandlungen wegen der Pandemie verschoben worden sind. „Wir müssen viel gründlicher und detaillierter abwägen und auf die Verhältnismäßigkeit aller Maßnahmen achten“, sagte er.

Wenn wichtige Behandlungen oder auch Früherkennungsuntersuchungen nicht stattfän­den, dann habe das unter Umständen schnell fatale Folgen. So habe es zuletzt 30 Prozent weniger Herzinfarktpatienten gegeben, dies bedeute aber sicher nicht, dass es auch 30 Prozent weniger Herzinfarkte gegeben habe.

kna

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