Roßbach-Kurschat warnt vor „Mogelpackung“ bei Entbudgetierung

Potsdam – Das Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg, Stefan Roßbach-Kurschat, hat vor einer „Mogelpackung“ bei der Entbudgetierung von Praxisleistungen gewarnt.
„Wenn wir von hausärztlicher Entbudgetierung sprechen, muss klar sein: Es geht nicht nur um ein paar Pauschalen – es geht um den gesamten Umfang hausärztlicher Leistungen, wie sie Tag für Tag in unseren Praxen erbracht werden“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt. „Dazu gehören auch psychosomatische Grundversorgung, Ultraschall, Schmerztherapie und Allergologie.“
Bei mehr als 45 Prozent somatoformer Störungen könne es nicht sein, dass eine psychosomatische Betreuung gedeckelt sei. Hausärztliche und fachärztliche Praxen würden Roßbach-Kurschat zufolge unnötige Diagnostik vermeiden und Patienten gezielt weitersteuern.
Er betonte, das entlaste das Gesamtsystem – diese Leistungen müssten aber auch vergütet werden. „Was heute unbezahlt bleibt, wird morgen nicht mehr angeboten werden können“, so der Allgemeinmediziner aus dem Havelland. „Wo Leistungen systematisch entwertet werden, ist keine Versorgung mehr sicher.“
Kritik übte Roßbach-Kurschat an den Plänen von Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos, für BSW) zur Ambulantisierung bisher stationär angebotener Leistungen. Müllers Vorstoß, die Ambulantisierung über neue Krankenhausambulanzen und Ermächtigungen unter Budgetbedingungen zu gestalten, kehrt aus Sicht von Roßbach-Kurschat das Prinzip um.
„Ambulantisierung darf kein Einfallstor für Klinikambulanzen sein – sondern muss im niedergelassenen Bereich ansetzen“, sagte er. „Statt Parallelstrukturen zu schaffen, müssen Praxen finanziell so ausgestattet werden, dass sie die Versorgung stemmen können.“
Wenn Müller vorschlage, Krankenhausambulanzen unter Budgetbedingen auszubauen, sende das ein fatales Signal: Statt die ambulante Versorgung zu stärken, schaffe man parallele Strukturen – und schwäche die, die schon heute den Großteil der Patienten versorgten.
„Ambulantisierte Leistungen“ würden zwingend Geld aus dem eingesparten stationären Potenzial bedingen. „Neue Krankenhausambulanzen helfen nicht, wenn bestehende Praxen dafür bezahlen müssen und finanziell ausbluten“, sagte Roßbach-Kurschat.
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