Ärzte-Appell gegen dermatologische Produktproben

Freiburg – Die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) hat Arztpraxen und Apotheken aufgerufen, keine dermatologischen Produktproben mehr anzunehmen und zu verteilen. Der Grund: Eine Untersuchung der AGN und des Ingenieurbüros C. E. Schweig hatte ergeben, dass Produktion und Verteilung von Produktproben für erhebliche Treibhausgasemissionen verantwortlich und zudem schlecht für die Umwelt sind.
„Musterproduktproben verursachen eine hohe Umweltbelastung, kleine Verpackungen im Besonderen“, erklärte der 2. Vorsitzende der AGN, Dennis Niebel, anlässlich der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse. Vor allem ganz kleine Verbundstoffe seien praktisch nicht zu recyclen. „Wir bitten Arztpraxen und Apotheken daher, auf die Verteilung und Annahme solcher Produktproben zu verzichten und fordern die kosmetische und pharmazeutische Industrie zum Umdenken auf.“
„Produktproben verursachen einen signifikanten Rohstoffverbrauch“, sagte die Geschäftsführerin des Ingenieurbüros C. E. Schweig, Carolina Schweig. Pharmakosmetische Hersteller seien aufgefordert, sich stattdessen auf innovative, nachhaltige und messbar effiziente Marketingstrategien zu konzentrieren.
„Dadurch sparen sie Kosten, reduzieren ihren CO₂-Fußabdruck und sorgen für ein positives Image.“ Zudem berücksichtigten Unternehmen damit die Vorgaben von EU-Nachhaltigkeitsgesetzen wie der Taxonomieverordnung oder der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD).
In ihrer Untersuchung analysierten die AGN und das Ingenieurbüro 43 dermatologische Produktproben verschiedener Hersteller, die diese kostenfrei an Arztpraxen und Apotheken zur Weitergabe verteilen. Dabei wurden die Verpackungen jeweils in ihre unterschiedlichen Materialien zerlegt und die CO₂- und Wasserverbrauchswerte für Gewicht und Material berechnet. Neben der Untersuchung der Verpackungsmaterialien lag ein besonderes Augenmerk auf den ökologischen Auswirkungen der Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse.
Die Studienergebnisse zeigen, dass für die Herstellung der Verpackungen von zehn Millionen solcher Proben rund 880 Millionen Liter Brauchwasser aufgewendet wird. Die Verpackungen der Proben setzen zudem etwa 8.000 Tonnen Treibhausgasemissionen frei. Darüber hinaus fallen der Untersuchung zufolge circa 2.300 Tonnen Verpackungsabfall an.
Produktproben seien zudem nicht nur unökologisch, sondern auch unökonomisch, heißt es in der Analyse. Die Annahme und Lagerung der Proben binde im Praxis- und Apothekenalltag wertvolle Zeit von medizinischem Personal. Zusätzliche Kosten für die Praxen würden durch überdimensionierte Transportverpackungen und deren Entsorgung verursacht.
Die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) ist eine Sektion der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, die die nachhaltige Transformation des Gesundheitssektors unterstützt.
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