Engpässe in sozialpsychiatrischer Versorgung gefährden Entwicklungschancen von Kindern

Köln – Vor einer Krise in der sozialpädiatrischen Versorgung warnen der Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ), die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) und die Deutsche Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie (DGAAP).
„Wer heute einen Termin für eine umfassende entwicklungsdiagnostische Abklärung in einer spezialisierten Praxis oder einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) sucht, wartet oft Monate“, fasst Folkert Fehr das Problem zusammen. Er ist Mitglied der Interdisziplinären verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe Entwicklungsdiagnostik (IVAN) des BVKJ.
Ein Kind mit Entwicklungsstörungen oder neuropädiatrischen Auffälligkeiten verliere so wertvolle Zeit. „Stillstand, in dem kleine Defizite durch fehlende Förderung zu lebenslangen Bildungsbarrieren wachsen“, warnte Fehr. Grund für die Probleme seien „ein Teufelskreis aus struktureller Unterversorgung, massivem Personalmangel und einem Finanzierungssystem, das aus der Zeit gefallen ist“, kritisierte er.
Hauptproblem sei, dass die aktuelle Vergütungsstruktur die zeitintensive, interdisziplinäre Netzwerkarbeit und die notwendige Elternberatung nicht angemessen abbilde, obwohl diese Leistungen für die kindliche Entwicklung essenziell seien, so der Experte.
Die Arbeitsgruppe IVAN fordert daher verbindliche Wartezeitobergrenzen und ein flächendeckendes Ausbauprogramm für spezialisierte Praxen, SPZs und Frühförderstellen.
Nötig seien außerdem eine Ausbildungsoffensive für Sozialpädiatrie, Therapieberufe und Heilpädagogik. Zudem müssten zeitintensive Leistungen und interdisziplinäre Fallkonferenzen angemessen vergütet werden.
„Die Diagnose steht fest. Die Therapie ist bekannt. Was fehlt, ist der politische Wille, das Versorgungsmodell grundlegend neu zu denken. Aktuell verwalten wir in der Sozialpädiatrie Defizite, statt Kindern Chancen zu eröffnen“, so Fehr.
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