Ärzteschaft

Konzept für Verletztenversorgung im Katastrophen- und im Kriegsfall vorgelegt

  • Freitag, 31. Juli 2026
/spotmatikphoto, stock.adobe.com
/spotmatikphoto, stock.adobe.com
Dieses Dialog-Fenster öffnen

Berlin – Für die Versorgung von Verletzten bei großen Katastrophen und im Bündnisfall braucht es aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) keine grundlegend neuen Strukturen, sondern eine Weiterentwicklung der bestehenden „Traumanetzwerke DGU“. Wie dies aussehen könnte, hat die Fachgesellschaft im Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)“ vorgestellt.

Neben der DGOU haben daran der Sanitätsdienst der Bundeswehr, die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, die Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie mitgewirkt.

„Die Traumanetzwerke sind schon heute das Rückgrat der Schwerverletztenversorgung in Deutschland“, sagt der Präsident der DGOU, Frank Hildebrand. Er ist auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Im Bündnisfall könnten sie maßgeblich dazu beitragen, dass sowohl Kriegsverletzte als auch die zivile Bevölkerung bestmöglich versorgt würden. Diese Doppelaufgabe könne aber nur bewältigt werden, wenn die Traumanetzwerke fest in die Krisensteuerung eingebunden seien.

Wenn plötzlich sehr viele Menschen gleichzeitig verletzt werden, kommt es den Fachgesellschaften zufolge entscheidend darauf an, Patienten gezielt auf geeignete Kliniken zu verteilen.Das Traumanetzwerk DGU habe sich bei einem Massenanfall von Verletzten bereits bewährt, etwa nach schweren Verkehrsunfällen, hieß es.

Statt alle Verletzten in die nächstgelegene Klinik zu bringen, würden sie dorthin gesteuert, wo die notwendige Expertise und freie Kapazitäten verfügbar seien. So ließen sich Überlastungen einzelner Krankenhäuser vermeiden und die vorhandenen Ressourcen bundesweit optimal nutzen.

„Bei einer Massenkarambolage müssen innerhalb kurzer Zeit viele Verletzte auf mehrere Krankenhäuser verteilt werden. Im Bündnisfall gilt dieses Prinzip für ganz Deutschland und das über Tage oder Wochen hinweg. Genau dafür brauchen wir die Traumanetzwerke“, erläuterte Gerrit Matthes, Vorsitzender des Ausschusses Traumanetzwerk DGU.

In dem Weißbuch formulieren die Verbände vier Maßnahmen an die Politik, mit denen sich das Netzwerk gezielt weiterentwickeln lässt: Danach sollten bestehende Traumanetzwerke in eine nationale Verteilungsstruktur eingebunden werden, damit Verletzte auch im Krisen- und Bündnisfall schnell in die richtige Klinik gelangen.

Wichtig sei zudem, medizinisches Personal gezielt zu qualifizieren und regelmäßig zu trainieren, um auf außergewöhnliche Schadenslagen vorbereitet zu sein.

Krankenhäuser benötigen zudem Materialreserven, sichere Lieferketten und eine verlässlichen Finanzierung. Nötig ist nach Ansicht der Gesellschaften ein Gesundheitssicherstellungsgesetz, das klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit für die medizinische Versorgung im Ernstfall gewährleistet.

„Gelingt die Umsetzung der im Weißbuch vorgeschlagenen Konzepte und Strukturen, entsteht ein Leuchtturmprojekt für eine qualitativ hochwertige, flächendeckende Traumaversorgung, die auch in Krisenzeiten funktioniert und trägt“, sagte Generalstabsarzt Johannes Backus, Kommandeur des Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. Dieses Modell könne weit über die Landesgrenzen hinaus als Vorbild für viele europäische Staaten dienen.

hil

Diskutieren Sie mit:

Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen

Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.

Jetzt bei Google bevorzugen

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung