Mehr Zeit für die Prävention im hausärztlichen Alltag

Wiesbaden – Prävention ist entscheidender als die Behandlung von Erkrankungen. Das betonte die in Berlin niedergelassene Hausärztin Petra Sandow gestern auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.
Prävention sei eigentlich der Dreh- und Angelpunkt der Versorgung. Für die Prävention in der Hausarztpraxis benötige man aber Zeit. Und Zeit für die ausreichende Information der Patientinnen und Patienten hätten die Hausärzte heute nicht mehr. „Heute haben wir eine durchschnittliche Kontaktzeit pro Patient von vier Minuten“, sagte Sandow. „Das ist natürlich viel, viel zu wenig.“
Gut wäre es, wenn die Hausärzte zehn Minuten Zeit pro Patient hätten. „Doch wenn das Wartezimmer voll ist, können wir uns nicht für jeden Patienten so viel Zeit nehmen“, so Sandow. Die Folge sei, dass die Patienten immer wieder kämen, um ihr Informationsdefizit zu decken. Das führe zu einer Endlosschleife.
Sandow sprach sich dafür aus, das Honorierungssystem zu ändern, um mehr Zeit für die Prävention zu erhalten. „Wir bräuchten bessere Honorare, damit wir uns die Zeit für die jeweiligen Patienten besser einteilen oder auch mehr Hilfspersonal einstellen könnten, das uns bei der Prävention unterstützt“, so die Hausärztin.
„Es braucht ein Umdenken in der Politik“, betonte Sandow. „Wir müssen unser System umschichten, um mehr Geld in die Prävention zu stecken: in den Arztpraxen ebenso wie in Kindertagesstätten und Schulen.“
Prävention sei eigentlich die Primärkompetenz der Hausärzte: nicht nur die Primärprävention, die Krankheiten verhindern soll, sondern auch die Sekundärprävention, bei der Folgeerkrankungen chronisch erkrankter Patienten verhindern werden sollen. Im derzeitigen Gesundheitssystem komme die Prävention jedoch viel zu kurz.
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