Ärzteschaft

Primärversorgung: Virchowbund für Koordinationsarztmodell statt starrer Hausarztpflicht

  • Mittwoch, 9. September 2026
/Parilov, stock.adobe.com
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Berlin – Im Zusammenhang mit dem geplanten Primärversorgungssystem plädiert der Virchowbund für ein sogenanntes Koordinationsarztmodell. Diesem Konzept zufolge hätten die Patienten jeweils eine koordinierende Ärztin oder einen koordinierenden Arzt – dies könne „in der Regel ein Hausarzt“ sein, aber auch andere Fachrichtungen wie die Gynäkologie kämen infrage.

Aus Sicht des Virchowbundes droht bei einem Primärversorgungssystem, das fast ausschließlich auf die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle setzt, ein Flaschenhals. Für ein solches System fehlten schlicht die Hausärztinnen und Hausärzte.

„Wer künftig jeden Behandlungsfall durch die Hausarztpraxis schleusen will, muss auch erklären, wie der zusätzliche Aufwand bei weniger Hausärzten bewältigt werden kann“, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes.

Außerdem seien Hausärzte zu wertvoll, um sie als reine Überweisungsärzte einzusetzen. „Die Stärke in der hausärztlichen Versorgung liegt ja gerade in der Betreuung und Koordination komplexer Krankheitsverläufe. Um diese Stärke zu erhalten, müssen Hausärzte auch zukünftig zielgerichtet die richtigen Patienten behandeln können.“ Deshalb müssten Hausärzte und Fachärzte Hand in Hand arbeiten, um Patienten in die richtige Versorgungsebene zu lenken.

„Wir erleben jeden Tag, wie stark Hausarztpraxen heute bereits gefordert sind. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dass auch Fachärzte in die Koordination der Patienten eingebunden werden. Das Ziel muss sein, die Patienten so ressourcenschonend wie möglich direkt in die richtige Versorgungsebene zu lenken“, betonte Franziska Drephal, Hausärztin in Berlin und Vorsitzende der Landesgruppe Berlin/Brandenburg des Virchowbundes.

Dem stimmte Dirk Altrichter, Hausarzt in Nürnberg und Vorstandsmitglied der Landesgruppe Bayern des Virchowbundes, zu. Nicht jeder fachärztliche Behandlungsweg brauche einen vorgeschalteten Hausarztkontakt.

„Wer mit einer bekannten Erkrankung bereits kontinuierlich beim Facharzt betreut wird, sollte nicht allein aus Systemlogik zunächst in die Hausarztpraxis geschickt werden. Frankreich zeigt, dass es auch anders geht: Dort kann auch ein Facharzt die Rolle des koordinierenden Arztes übernehmen.“

Die Koordination des Geschehens rund um die Patientinnen und Patienten könnten, wenn mehr als eine Erkrankung aus einem Fachgebiet vorliegt, „naturgemäß nur Hausärztinnen und Hausärzte“ übernehmen, stellte Veit Wambach, Facharzt für Allgemeinmedizin und stellvertretender Bundesvorsitzender des Virchowbundes, klar.

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