Neuer Krankenhausplan in Baden-Württemberg beschlossen

Stuttgart – Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat einen neuen Krankenhausplan beschlossen, der die bundesweite Krankenhausreform vorbereitet und in Teilen vorwegnimmt.
„Er ist konsequent auf die aktuellen Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, die älter werdende Bevölkerung sowie den medizinisch-technischen Fortschritt ausgerichtet“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) in Stuttgart.
Das Land stelle mit dem neuen Krankenhausplan sicher, „dass eine hohe Qualität in der Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet wird und gleichzeitig verlässliche Strukturen weiterhin vorhanden sind sowie wertvolle Ressourcen im Gesundheitssystem zielgerichtet eingesetzt werden“, so der Minister.
Der aktuelle Krankenhausplan folgt einer neuen Systematik: Die bisherige Rahmenplanung nach Fachabteilungen wird ersetzt durch eine detaillierte Planung nach Leistungsgruppen, die je nach Komplexität und Erreichbarkeit einer von drei Planungsebenen zugeordnet werden.
Die Leistungsgruppen sind an bundesgesetzlich definierte Qualitätskriterien geknüpft. Je höher die Anforderungen an eine Leistungsgruppe sind, desto stärker sollen sie auf wenige, spezialisierte Krankenhäuser konzentriert werden, um eine hohe Versorgungsqualität sicherzustellen.
Daraus folgt in dem neuen Krankenhausplan: Die Planung der Grund- und Regelversorgung wie Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Geburten, Geriatrie sowie Basis-Intensivmedizin erfolgt auf der Ebene der Stadt- und Landkreise.
Komplexe Leistungen erfolgen in sechs Versorgungsregionen und hochkomplexe Leistungen auf der Ebene des ganzen Bundeslandes. Die geographische Aufteilung der Leistungsgruppen nach Spezialisierungsgrad soll sicherstellen, dass alle Menschen im Land in vertretbarer Entfernung weiterhin ein qualitativ hochwertiges Versorgungsangebot erhalten.
Besondere Bedeutung hat im neuen Krankenhausplan die Bedarfsanalyse, weil sich die Versorgungsanforderungen rasch ändern. „Haupttreiber dieser Veränderungen sind insbesondere der demographische Wandel, der medizinisch-technische Fortschritt sowie die fortschreitende Entwicklung, stationäre Eingriffe ambulant zu erbringen“, erläuterte Lucha.
Außerdem sind im neuen Plan Themen wie Digitalisierung, Ambulantisierung und sektorenübergreifende Versorgung sowie Nachhaltigkeit als Grundsätze und Planungsziele verankert.
Noch zu häufig gelangten die Patienten in Notaufnahmen von Kliniken, obwohl eine ambulante oder digitale Behandlung besser geeignet wäre, so Lucha. Eine kluge Patientensteuerung gemäß dem Credo präventiv und digital vor ambulant vor stationär erhöhe die Versorgungsqualität und entlaste personelle Ressourcen.
Der künftige Krankenhausplan muss nach Auffassung der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in erster Linie den Rahmen für gute Qualität in der Krankenhausversorgung schaffen.
„Da sich Minister Lucha in der Vergangenheit dafür eingesetzt hat, dass die Länder bei Qualitätsvorgaben Ausnahmen machen können, hängt nun alles von der neuen Landesregierung ab“, sagte deren Leiterin, Nadia Mussa. Wer sehr gute Behandlungsqualität wolle, müsse Qualitätskriterien, wie Mindestmengen, konsequent umsetzen und „nur im absoluten Ausnahmefall davon abweichen“, betonte sie.
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