Ruf nach nationaler Public-Health-Strategie mit verbindlichen Gesundheitszielen

Berlin – Health in all politics – also die Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten bei allen politischen Entscheidungen – mahnt erneut der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) an. In einem neuen Positionspapier stellt er dafür Ansätze vor.
„Die Zahl der chronischen und lebensstilbedingten Erkrankungen in Deutschland steigt. Das liegt daran, dass die politischen Weichen hierzulande immer noch falsch justiert sind“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
In dem Papier fordert der BKK-Dachverband eine nationale Public-Health-Strategie mit messbaren Gesundheitszielen, etwa mehr gesunden Lebensjahren und weniger gesundheitlicher Ungleichheit.
Der Bund soll dabei eine koordinierende Rolle übernehmen. Gesundheitsförderung und Prävention müssten dauerhaft strukturell verankert sowie von Ländern und Kommunen verlässlich finanziert werden.
Zudem spricht sich der BKK Dachverband für eine stärkere Einbindung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, abgestimmte Landesgesundheitsgesetze und eine gemeinsame Kommunikationsstrategie aus.
Ein weiterer Schwerpunkt des Papiers ist die Gesundheitsberichterstattung. Der Verband schlägt bundesweit einheitliche Kernindikatoren, vergleichbare Berichtsstandards und eine nationale Daten- und Evaluationsplattform vor.
Gesundheitsberichte sollten stärker soziale, psychische, regionale und klimabezogene Einflussfaktoren berücksichtigen sowie so aufbereitet werden, dass politische Entscheidungsträger sie unmittelbar für ihre Arbeit nutzen können.
„Die großen gesundheitlichen Fortschritte der vergangenen Jahre sind nur zu einem kleinen Teil auf die medizinische Versorgung zurückzuführen. Den entscheidenden Unterschied machten bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, sauberes Trinkwasser, Hygiene, gesunde Ernährung, Bildung und andere soziale Errungenschaften. Kurz gesagt: Gesundheit entsteht vor dem Eintritt in das Gesundheitssystem“, heißt es in dem Bericht.
Entscheidend sei dabei, die gesunde Wahl zur einfacheren Wahl im Alltag der Menschen zu machen. Das bedeutet einerseits eine stärkere Regulierung von Werbung für gesundheitsschädliche Produkte und andererseits die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Risikofaktoren in der Bevölkerung nachhaltig reduzieren.
„Das Impulspapier des BKK Dachverbands setzt an den richtigen Stellen an“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Peter Schäfer. Wer Gesundheit wirksam fördern wolle, brauche belastbare Gesundheitsberichterstattung und einen starken Öffentlichen Gesundheitsdienst.
Er wies darauf hin, dass Gesundheitsberichte keine Pflichtübung sein dürften. Sie müssten vielmehr die Grundlage politischer Entscheidungen bilden. „Der ÖGD ist dafür unverzichtbar: Er erkennt gesundheitliche Entwicklungen vor Ort, vernetzt die relevanten Akteure und sorgt dafür, dass Prävention dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird“, so Schäfer.
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