Rufe nach Paradigmenwechsel bei Prävention und Gesundheitsförderung

Berlin – Einen Paradigmenwechsel bei Prävention und Gesundheitsförderung hat heute die Bundesärztekammer (BÄK) zusammen mit dem Forum Gesundheitsziele und der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung angemahnt.
„Deutschland gibt viel Geld für sein Gesundheitswesen aus, investiert dabei aber zu wenig in die Vorbeugung von Krankheiten“, sagte der BÄK-Präsident Klaus Reinhardt bei der Vorstellung eines gemeinsamen Positionspapiers „Gesundheit gestalten statt verwalten – Sofortmaßnahmen für Prävention und Gesundheitsförderung“. Ein stärkerer Fokus auf Prävention würde die Lebensqualität der Menschen verbessern und zugleich das Gesundheitswesen auf lange Sicht entlasten.
Mit rund 500 Milliarden Euro jährlich gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben weltweit. Dennoch liegt die Lebenserwartung dem Papier zufolge unter dem OECD-Durchschnitt vergleichbarer Staaten. Auch bei den gesunden Lebensjahren bestehe Nachholbedarf.
Der Anteil der Gesundheitsausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland liegt laut den drei Organisationen nur bei drei bis fünf Prozent.
„Wir brauchen ein wirkliches Umdenken in der Prävention und Gesundheitsförderung. Denn das verbessert nicht nur die Gesundheit jedes Einzelnen, sondern spart auch bares Geld für die Gemeinschaft“, sagte Ulrike Elsner, Co-Vorsitzende des Forums Gesundheitsziele.
Wie das Bündnis schreibt, ließe sich das Bruttoinlandsprodukt um rund 250 Milliarden Euro pro Jahr steigern, wenn international bewährte Maßnahmen auch hierzulande konsequent beschlossen und umgesetzt werden würden.
Konkret fordern die drei Organisationen unter anderem eine gesundheitsorientierte Besteuerung von Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltigen Produkten, eine Einschränkung von Werbung und Sponsoring, insbesondere zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, sowie klare und verständliche Produktkennzeichnungen.
Wichtig sei außerdem, Prävention und Gesundheitsförderung verbindlich in allen Politikfeldern zu verankern gemäß dem Ansatz „Health in All Policies“.
„Prävention und Gesundheitsförderung müssen zum Maßstab jeder Politik werden. Gesundheit mitzudenken ist keine Kür mehr, sondern die Voraussetzung für ein nachhaltiges Gesundheitswesen und eine stabile Demokratie“, betonte Kirsten Kappert-Gonther. Die Grünen-Politikerin ist auch Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung.
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