Schilddrüsenknoten: Neue S3-Leitlinie für hausärztliche Versorgung vorgelegt

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat zusammen mit zehn weiteren Fachgesellschaften und Organisationen eine S3-Leitlinie zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung erarbeitet. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat die Arbeit unterstützt.
Methodische Grundlage bei der Leitlinienentwicklung war das Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – dort ist die Leitlinie auch zur Veröffentlichung angemeldet. Sie kann aber bereits im Ergebnisbericht des Innovationsausschussprojektes eingesehen werden.
Das Projektteam hat auf Basis der Leitlinie zudem Patienteninformationen erarbeitet, die Betroffenen laienverständlich medizinisch fundiertes Wissen bieten. Die Prävalenz von Schilddrüsenknoten in der deutschen Bevölkerung ist hoch und steigt mit zunehmendem Alter.
„Die diagnostische Herausforderung ist die Identifikation behandlungsbedürftiger Veränderungen bei einer großen Anzahl asymptomatischer und gesundheitlich unbedenklicher Befunde“, schreibt das Leitlinienteam um die Koordinatorin Karen Voigt vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Das alleinige Vorhandensein von asymptomatischen Schilddrüsenknoten unabhängig von der Größe sei an sich kein pathologischer Befund, so die Arbeitsgruppe.
Sie sieht daher auch Sonografien eher kritisch: Zwar sei diese für die hausärztliche Diagnostik von Schilddrüsenknoten eine nicht-invasive, schnelle und kostengünstige Untersuchung.
Aber im hausärztlichen Setting sei die Detektion eines gutartigen Schilddrüsenknotens um ein Vielfaches wahrscheinlicher als die eines Schilddrüsenkarzinoms. „In nahezu allen Fällen erfahren die Patientinnen und Patienten keinen bis wenig Nutzen durch das Wissen um einen asymptomatischen Schilddrüsenknoten“, heißt es in der Leitlinie.
Bei der Indikationsstellung sei daher eine sorgfältige Nutzen-Schaden-Abwägung notwendig, da eine Sonografie immer auch die Wahrscheinlichkeit abnormer, aber klinisch letztlich irrelevanter Befunde erhöhe.
„Wenn kein anamnestischer oder klinischer Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom oder einen symptomverursachenden Schilddrüsenknoten vorliegt, soll auf eine sonografische Untersuchung der Schilddrüse verzichtet werden“, lautet daher die Empfehlung des Leitlinienteams.
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