Schleswig-Holstein erprobt neue Modelle der medizinischen Versorgung
Kiel – Angesichts des Ärztemangels vor allem in ländlichen Regionen hat Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) auf die Bedeutung neuer flexibler Konzepte in der Versorgung hingewiesen. „Gute Lösungen für eine flächendeckend hochwertige Versorgung, ob in Schleswig-Holstein oder andernorts, müssen immer so gedacht und gemacht werden, dass sie attraktiv für Mediziner sind“, sagte Alheit anlässlich des heutigen Versorgungsforschungstages der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Schleswig-Holstein und Hamburg.
Die Vorstandsvorsitzende der KV Schleswig-Holstein, Monika Schliffke, betonte, dass es darauf ankomme, gezielt auf die Bedürfnisse der jungen Ärztegeneration einzugehen: „Flexible Formen der ärztlichen Praxistätigkeit, neue Kooperationsmodelle, kommunale Lösungen. Gerade im ländlichen Raum müssen wir neue Wege gehen, damit dort auch in Zukunft genügend Ärzte praktizieren“, sagte Schliffke.
Beispiele für neue Modelle in der Versorgung gibt es unter anderem auf der Insel Pellworm und in Büsum. In Pellworm konnte das erste gemeindeeigene medizinische Versorgungszentrum in Schleswig-Holstein die Lücke schließen, die der Weggang des dortigen Inselarztes hinterließ. Inselbürgermeister, Ärztegenossenschaft Nord, Ärztekammer und KV fanden damit gemeinsam ein Konzept für die Fortführung der Hausarztpraxis.
Eine ähnliche Situation erlebt die Stadt Büsum. Im Ärztehaus der Stadt naht binnen der nächsten zehn Jahre der Ruhestand der vier Praxisinhaber. Daneben gibt es nur noch eine weitere Praxis im Ort. In dieser Situation hat die KV ein Förderprogramm verabschiedet, das Kommunen bei der Errichtung von Ärztezentren in kommunaler Trägerschaft finanziell unterstützt.
„Büsum ist mit diesem Modell bundesweit Vorreitermodell. Heute arbeiten dort Ärzte als Angestellte der Gemeinde Büsum in einer kommunalen Eigeneinrichtung, die von der Ärztegenossenschaft Nord betreut wird“, sagte Gesundheitsministerin Alheit.
Sie betonte, das „hochflexible System der ambulanten Versorgung“ habe die Möglichkeit, „unter Nutzung verschiedener Organisationsformen und technischer Möglichkeiten den Menschen auch in Zukunft ein sicheres Gesundheitsversorgungssystem zur Verfügung zu stellen“, so die Ministerin.
Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, wies darauf hin, dass es Aufgabe des KV-Systems sei, die Attraktivität der Selbständigkeit und der Niederlassung in freiberuflicher Praxis stärker in den Fokus zu rücken. „Das System der Selbstverwaltung und seine vielen Vorteile sind noch zu wenig unter den Studenten und Ärzten in Weiterbildung bekannt. Das müssen wir ändern, damit die Niederlassung stärker bei der beruflichen Planung berücksichtigt wird.“
Ziel des Kongresses war, auf der Basis des aktuellen Standes der Versorgungsforschung nach Lösungen zu suchen, die gewährleisten, dass individuelle Lebens- und Arbeitskonzepte sich mit dem Auftrag der medizinischen und psychotherapeutischen Sicherstellung vereinen lassen. Die Veranstaltung brachte Studenten, (junge) Ärzte in Niederlassung, Krankenhausärzte und Vertreter der Selbstverwaltung und Politik an einen Tisch.
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