Schleswig-Holstein: Vier von zehn Pflegekräften sind über 51 Jahre alt
Neumünster – Knapp 40 Prozent aller Pflegefachkräfte in Schleswig-Holstein werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand gehen. Das zeigen aktuelle Daten der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein.
Demnach sind 39,7 Prozent der registrierten 27.087 Mitglieder 51 Jahre oder älter. „Wenn wir jetzt nicht handeln, ist davon auszugehen, dass wir auf einen dramatischen Engpass in der pflegerischen Versorgung zusteuern“, erklärte die Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, Patricia Drube.
Schon jetzt liege in Schleswig-Holstein das Verhältnis von Pflegefachkräften zu Einwohnern deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. „Während es in Deutschland laut der aktuellen OECD-Gesundheitsstatistik 12,9 Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner gibt, sind es in Schleswig-Holstein nur 9,35“, sagte Drube.
Gleichzeitig wachse der Pflegebedarf immens: „Wir gehen für Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2030 von einer Erhöhung der Anzahl an Pflegebedürftigen von 53,8 Prozent und einem Mehrbedarf von circa 15.000 Pflegestellen aus“, erklärte Drube, die sich dabei auf Zahlen der Bertelsmann Stiftung bezog.
Weniger als ein Viertel der Pflegenden sind jünger als 35 Jahre
Wie es den Zahlen der Pflegeberufekammer weiter hervorgeht, sind derzeit nur 24 Prozent aller Pflegefachkräfte in Schleswig-Holstein jünger als 35 Jahre. 36,3 Prozent sind zwischen 36 und 50 Jahren alt.
„Besonders bedenklich ist, dass der Pflegenachwuchs der 19- bis 30-Jährigen nur 13,3 Prozent aller Pflegefachpersonen ausmacht“, betonte Drube. Hier werde deutlich, wie wichtig es sei, auf verstärkte Ausbildung zu setzen und alles zu tun, um junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. Allerdings müsse dabei die Strategie „Masse statt Klasse“ vermieden werden.
Zudem sei es erforderlich, die Rahmenbedingungen der beruflichen Pflege umgehend zu verbessern, zum Beispiel durch faire Löhne, verlässliche Dienstpläne, flexible Arbeitszeitmodelle und wertschätzende Führung. „Nur so können wir Pflegefachkräfte langfristig in ihrem Beruf halten und den Pflegenachwuchs sichern“, meinte Drube.
Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein erhebt regelmäßig statistische Daten ihrer Mitglieder. „Erstmals können wir für Schleswig-Holstein nun festhalten, wie viele Pflegefachpersonen in der Pflege tätig sind – mit welcher Qualifikation und in welcher Region“, erläuterte Drube. Diese Pflegeberufe-Statistik sei wichtig, um die Beschäftigungssituation in der Pflege landesweit abzubilden.
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