Sieben Regiokliniken ab 2027 in Rheinland-Pfalz geplant

Mainz – Alle 74 Krankenhausstandorte sollen in Rheinland-Pfalz bestehen bleiben und sieben zu sogenannten Regiokliniken umgewandelt werden. Das sieht der Krankenhausplan des Landes auf Basis der Krankenhausreform des Bundes vor, den Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) heute im Gesundheitsausschuss des Landtags vorgestellt hat. Rheinland-Pfalz sei das erste Bundesland, das die Krankenhausreform so umsetze, lobte Josef Winkler von den oppositionellen Grünen.
Bei den sieben Standorten der sogenannten Regiokliniken handelt es sich um die mit der Krankenhausreform vorgesehenen sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen, die den ambulanten und stationären Bereich miteinander verknüpfen sollen. Vergangene Woche ist das Finanzierungskonzept dieser Einrichtungen bekannt geworden.
Die Krankenhäuser hätten insgesamt 1.325 sogenannte Leistungsgruppen beantragt, sagte Minister Hoch. Der Medizinische Dienst habe bei seinen Prüfungen rund 79 Prozent (1.065) als positiv entschieden. Das Land lehne 220 der beantragten Leistungsgruppen ab, davon 165 negativ begutachtete.
Die Einschätzung des Medizinischen Dienstes beziehe sich grundsätzlich auf die Lage im 1. Quartal 2025 und zu seinen Qualitätsanforderungen gehörten vor allem die Ausstattung mit Personal und Geräten, sagte Hoch.
Die 61 verschiedenen Leistungsgruppen seien ein zentraler Baustein der Krankenhausreform, mit der die medizinische Versorgung in der Fläche und auch die qualitativ hochwertige Versorgung gesichert werden sollten. Sie beziehen sich beispielsweise auf die allgemeine Innere Medizin, Geburtshilfe, Endoprothetik von Hüfte und Knie oder Krebsoperationen. Über den aktuellen Stand bezüglich der Leistungsgruppenanträge in allen Bundesländern, hatte das Deutsche Ärzteblatt kürzlich berichtet.
„Wir wollen alle Krankenhausstandorte in diesem Land erhalten“, sagte Hoch heute bei der Vorstellung des Krankenhausplans. Jetzt folge das Anhörungsverfahren. Die Zu- und Absagen für die einzelnen Leistungsgruppen sollten dann noch im September an die Kliniken verschickt werden.
Die Standorte der Regiokliniken befinden sich künftig in Hoch Bernkastel-Kues, Bingen, Boppard, Bad Dürkheim, Frankenthal, Hermeskeil und Kirn. Früher hatte Hoch noch von acht bis zehn solcher Häuser gesprochen. Sie sollen Anfang 2027 an den Start gehen.
Beispielsweise sollen in der Regioklinik Bingen künftig die Bereiche Innere Medizin sowie Altersmedizin angeboten werden. Tragende Säule der neuen Struktur sei das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), das künftig eine wichtigere Rolle für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung übernimmt, heißt es in einer Mitteilung des Heilig-Geist-Hospitals Bingen. So würden Patientinnen und Patienten hausärztliche, chirurgische, urologische und kardiologische Leistungen an einem Standort vorfinden. Auch ambulante Eingriffe sollen weiterhin in Bingen durchgeführt werden.
Die Neuausrichtung bedeute, dass große Teile des bisherigen Leistungsspektrums wegfallen, sagte Geschäftsführer Michael Gutendorf. „Gleichzeitig schafft die Regioklinik unter den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten die einzig belastbare Perspektive für die medizinische Versorgung in Bingen.“ Das Krankenhaus hatte im Mai ein Insolvenzverfahren aufgrund der schlechten Finanzlage eröffnet.
Gutendorf zeigt sich zuversichtlich, dass im neuen Modell zukünftig auch bedarfsgerechte Leistungserweiterungen möglich seien. Perspektivisch sollen ambulante Leistungen ausgebaut und zusätzliche Kooperationen angeboten werden.
„Kein Standort wird wie der andere, regionale Gegebenheiten werden immer abgebildet“, erläuterte Hoch das Konzept weiter. Ziel sei ein flexibles Versorgungsangebot, das die vorhandenen Strukturen einer Region sinnvoll ergänze und den Menschen kurze Wege zu einer qualifizierten medizinischen Versorgung ermögliche, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsministeriums. „Gerade dort, wo nicht jede medizinische Leistung an jedem Standort vorgehalten werden kann, brauchen wir intelligente und vernetzte Versorgungsstrukturen“, betonte Hoch.
Die Regiokliniken, beziehungsweise sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen, seien vor allem für Alltagsnotfälle gedacht, könnten aber bis zu 50 Betten haben. Eine rund um die Uhr besetzte Notaufnahme sei ebenfalls möglich, ein Schockraum für Schlaganfälle oder Herzinfarkte gehöre aber nicht dazu. Beim Verdacht auf so einen Notfall empfehle er ohnehin, die 112 zu wählen, betonte der Minister.
Für die besonderen Bedürfnisse und Investitionen der neuen Regiokliniken seien pro Haus bis zu 2,5 Millionen Euro extra vorgesehen, sagte Hoch. Er sprach von einem „Zukunftsmodell“.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: