Staatsoberhäupter rufen zu globaler Allianz gegen die Pandemie auf

London/Berlin − Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und vier weitere Staatsoberhäupter haben zu einer globalen Allianz im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen.
„Diese Pandemie wird kein Land verschonen, egal wie fortschrittlich seine Wirtschaft, seine Fähigkeiten oder seine Technologie sind. Vor diesem Virus sind wir alle gleich und wir müssen alle zusammenarbeiten, um es zu bekämpfen“, heißt es in einem Namensartikel, den der Bundespräsident gemeinsam mit den Staatsoberhäuptern von Jordanien, Ecuador, Singapur und Äthiopien veröffentlicht hat − zu lesen in der heute in London erscheinenden Financial Times.
Jetzt sei nicht die Zeit für geopolitische Grabenkriege, so die Verfasser. Die neue globale Allianz müsse alles daran setzen, um beschleunigt Impfstoffe und Therapien zu entwickeln, Testausrüstungen und medizinisches Gerät zu produzieren und die Mittel an alle Regionen der Welt zu verteilen.
„Weltweit geteiltes Wissen und die beschleunigte Forschung in einem globalen Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden auch für unsere heutige Bedrängnis die entscheidende Antwort finden“, heißt es in dem Beitrag laut der vom Bundespräsidialamt verbreiteten Übersetzung. Jedes Zögern koste Leben.
Weiter schreiben die Staatsoberhäupter: „Wir rufen alle Akteure, die Weltbankgruppe, den IWF, die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, die internationalen Impfallianzen, gemeinnützige Stiftungen, Wissenschaftler und pharmazeutische Unternehmen, dazu auf, aufbauend auf der Arbeit der Weltgesundheitsorganisation, ihre Kräfte zu bündeln.“
Die Menschen ahnten, dass die Welt nach der Krise nicht mehr dieselbe sein werde. „Aber wir bieten all jenen die Stirn, die vorgeben, schon heute zu wissen, dass es eine ärmere, kältere Welt sein wird, mit Menschen und Nationen, die auf Distanz zueinander gegangen sind.“
Unterzeichnet haben den Beitrag „Für eine globale Allianz gegen die Pandemie“ neben Steinmeier der jordanische König Abdullah II., die Präsidentin Singapurs, Halimah Yakob, ihre äthiopische Amtskollegin Sahle-Work Zewde und der Präsident Ecuadors, Lenin Moreno Garces.
Microsoft-Gründer Bill Gates hat unterdessen in einem Artikel in der Washington Post dazu aufgerufen, dass sich die USA mit anderen Nationen zusammentun müssten, um gegen die Krise anzugehen. Man müsse mit Steuermitteln noch vor der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes die Massenproduktion der Impfdosen vorbereiten, schreibt er.
„Wenn wir alles richtig machen, könnten wir in weniger als 18 Monaten einen Impfstoff entwickeln“, betonte der Mitbegründer der Bill & Melinda Gates Stiftung, die weltweit die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten unterstützt.
18 Monate wäre die schnellste Zeit, in der je ein Impfstoff entwickelt wurde. „Aber die Entwicklung eines Impfstoffs ist nur die halbe Miete. Um die Amerikaner und die Menschen auf der ganzen Welt zu schützen, müssen wir Milliarden von Dosen herstellen.“
Gates setzte sich dafür ein, mit dem Bau von verschiedenartigen Anlagen zu beginnen, in denen diese Impfstoffe hergestellt werden sollen. Da viele der erfolgversprechenden Forschungsansätze einzigartige Ausrüstungen verwendeten, müsse man jetzt für jeden Top-Kandidaten eine spezielle Anlage bauen, „auch wenn wir wissen, dass einige dann nicht genutzt werden“. Private Unternehmen könnten dieses Risiko nicht eingehen, aber die (amerikanische) Bundesregierung könne es.
In dem Meinungsartikel forderte Gates weiterhin, die Ausgangseinschränkungen einheitlich anzuwenden und keine regionalen Unterschiede zu machen. „In einigen Bundesstaaten sind die Strände noch immer geöffnet, in anderen gibt es noch Restaurants, in denen man sich zum Essen hinsetzen kann. Dies ist ein Rezept für eine Katastrophe. Denn die Menschen können sich frei über die Staatsgrenzen hinweg bewegen, und das Virus auch.“
Zudem müsse die Bundesregierung der USA die Tests intensivieren. „Es sollten weit mehr Tests zur Verfügung gestellt werden.“ Die Ergebnisse sollten zusammengeführt werden, etwa, um schnell potenzielle Freiwillige für klinische Studien identifizieren können. Mit diesem Vorgehen könne man zudem erkennen, wann es Zeit ist, zur Normalität zurückzukehren.
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