Techniker Krankenkasse kündigt großen Teil der Hausarztverträge

Hamburg – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat die bestehenden Verträge ihres Hausarztprogramms zum Jahresende großteils gekündigt. Die Kasse zieht damit die Konsequenzen aus den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Evaluation.
Die Untersuchung von Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), kam zu dem Schluss, dass die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) die Ziele einer besseren Versorgungssteuerung nicht erreicht.
Die HzV führt demnach weder zu der angestrebten Vermeidung von Facharztkontakten noch zu weniger Krankenhausaufenthalten. Die Ärzte erhalten in der HzV aber rund 30 Prozent höhere Honorare. Der TK entstehen dadurch eigenen Aussagen zufolge Mehrkosten von 160 Millionen Euro jährlich.
Die in den Bundesländern Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt geltenden separaten Verträge wurden bisher nicht evaluiert und sind nicht von der Kündigung betroffen.
Grundsätzlich sind alle Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten ein Hausarztprogramm anzubieten. Die gekündigten Verträge sind in Zusammenarbeit mit den regionalen Hausärzteverbänden entstanden. Sie gelten nun so lange weiter, bis neue Verträge mit den Hausärzteverbänden vereinbart wurden. Dementsprechend sieht die TK die Kündigung als Auftakt zu neuen Vertragsverhandlungen.
Für die Versorgung der rund eine Millionen TK-Versicherten, die an den nun gekündigten HzV-Verträgen teilnehmen, ändert sich nichts. Ihre Vertragsteilnahme bleibt von der Kündigung unberührt, sie werden weiterhin im Rahmen des Hausarztprogramms versorgt. Die aktuell rund 10.000 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte erhalten bis zum Abschluss eines Folgevertrages weiterhin die gewohnte Vergütung.
Ziel der TK ist nun, bis zum Jahresende einen Vertrag zu vereinbaren, der zu besserer Versorgungssteuerung bei effizientem Ressourceneinsatz führt, wie es hieß.
„Die Kündigung der Techniker Krankenkasse sehen wir ganz klar als Versuch, politischen Druck auf die hausärztlichen Praxen auszuüben und die teilnehmenden Versicherten zu verunsichern“, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.
Die Behauptung der TK, dass die HZV mehr koste und keine bessere Qualität bringe, stütze sich auf eine einzige, von der TK selbst in Auftrag gegebenen Studie. Andere Studien sowie die internationale Evidenz kämen zu komplett anderen Ergebnissen.
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