Medizin

Ungleiche Karrierechancen bei flexiblen Arbeitszeitmodellen

  • Montag, 2. November 2026
/New Africa, stock.adobe.com
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Berlin – Ärztinnen befürchten deutlich häufiger als ihre männlichen Kollegen, dass alternative Arbeitszeitmodelle ihre berufliche Entwicklung beeinträchtigen könnten. Das berichtet der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) auf Basis einer Befragung, die im Fachmagazin BMC Health Services Research erschienen ist (2026; DOI: 10.1186/s12913-026-15756-9).

Für die Querschnittsuntersuchung wertete die Arbeitsgruppe eine anonyme Onlinebefragung des DÄB aus, die zwischen September 2022 und Juli 2023 erfolgte. An der Befragung nahmen 898 Ärztinnen und Ärzte teil, darunter 90,9 % Frauen. 83,6 % waren im Krankenhaus beschäftigt und 46,2 % befanden sich in der fachärztlichen Weiterbildung.

Der Fragebogen umfasste 34 Fragen zu Arbeitszeitmodellen, beruflicher Zufriedenheit, Karrierechancen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Einschätzungen wurden unter anderem anhand fünfstufiger Antwortskalen erfasst, die von vollständiger Ablehnung bis zu vollständiger Zustimmung reichten.

Die Auswertung zeigte: Rund zwei Drittel der befragten Frauen (66,8 %) und Männer (66,7 %) waren grundsätzlich der Ansicht, dass Beschäftigte mit alternativen Arbeitszeitmodellen nicht die gleichen Karrierechancen haben wie Vollzeitbeschäftigte.

Deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede zeigten sich dagegen bei der persönlichen Befürchtung, durch eine Arbeitszeitreduzierung berufliche Nachteile zu erleiden: 82,0 % der Frauen und 64,9 % der Männer äußerten entsprechende Sorgen.

Auch zwischen den Fachgebieten bestanden Unterschiede. In operativen Disziplinen befürchteten 84,8 % der Befragten negative Karrierefolgen, gegenüber 75,4 % in nicht operativen Fachgebieten.

Die Angst vor beruflichen Nachteilen war mit 58,2 % der am häufigsten genannte Grund, auf eine gewünschte Arbeitszeitreduzierung zu verzichten.

Die Auswertung ergab auch, dass Krankenhausbeschäftigte im Vergleich zu Ärztinnen und Ärzten außerhalb des Krankenhauses seltener eine hohe Zufriedenheit mit ihrem Arbeitszeitmodell, Unterstützung durch Arbeitgeber, Akzeptanz alternativer Arbeitszeitmodelle unter Kolleginnen und Kollegen sowie gleiche Karrierechancen angaben.

Zugleich berichteten Krankenhausbeschäftigte häufiger über Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ähnliche Zusammenhänge fanden sich bei Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung sowie Fachärztinnen und Fachärzten ohne Führungsverantwortung im Vergleich zu Beschäftigten in Führungspositionen.

„Unsere Ergebnisse zeigen: Alternative Arbeitszeitmodelle werden in der Medizin noch immer mit erheblichen Einschränkungen bei der Karriereentwicklung assoziiert – insbesondere für Ärztinnen im Krankenhaus und in frühen Karrierephasen“, erklärte die Erstautorin Carolina Vogel.

Der DÄB fordert deshalb unter anderem Führungspositionen in Teilzeit, transparente Karrierewege, verlässliche Dienstpläne und bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote. „Es kann nicht sein, dass Ärztinnen und Ärzte zwischen beruflicher Entwicklung und einem familienfreundlichen Arbeitszeitmodell wählen müssen“, sagte die DÄB-Co-Präsidentin Jana Pannenbäcker.

Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen daraufhin, dass Arbeitsbedingungen und subjektive Einschätzungen zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben wurden – die tatsächliche Auswirkungen einer Arbeitszeitreduzierung auf spätere Karriereverläufe wurden nicht untersucht.

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