Vapes und Nikotinbeutel: Nikotinkonsum nimmt bei jungen Menschen wieder zu

Köln – Insbesondere bei den 12- bis 17-Jährigen werden Nikotinprodukte wieder beliebter. Das gilt vor allem für Mehrweg-E-Zigaretten, aber auch die hierzulande nicht verkäuflichen Nikotinbeutel werden mehr konsumiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) mit Daten aus dem Jahr 2025.
Demnach rauchte knapp jeder zehnte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren 2025 und damit 3,5 Prozentpunkte mehr als noch vier Jahre zuvor. Auf einen ähnlichen Trend kommt eine heute veröffentlichte Erhebung vom Statistischen Bundesamt. Dem Mikrozensus zufolge rauchten 2025 15,6 Prozent der 15- bis 24-Jährigen gelegentlich. Vier Jahre vorher lag der Anteil bei 14,5 Prozent.
Besonders auffällig ist dem BIÖG zufolge, dass vor allem Mädchen deutlich mehr als noch vor fünf Jahren rauchten. Das galt insbesondere für Mehrweg-E-Zigaretten: Hier nahm der Anteil der jugendlichen Konsumentinnen der BIÖG-Befragung zufolge seit 2021 von 1,8 auf 7,8 Prozent zu. Etwa jede vierte Jugendliche vapte täglich.
Zusätzlich rauchten weibliche Jugendliche auch mehr herkömmliche Zigaretten. Seit 2021 war ein Anstieg um 1,4 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent zu verzeichnen. In allen anderen Gruppen war der Trend bei herkömmlichen Zigaretten rückläufig. Ebenfalls rückläufig ist der Trend beim Konsum von Wasserpfeifen und Einweg E-Zigaretten.
Das Vapen von Mehrweg-E-Zigaretten stieg allerdings auch in den anderen Gruppen an. Bei männlichen Jugendlichen lag der Anteil 2021 bei 2,9 und 2025 bei 6,7 Prozent. Etwa jeder fünfte rauchte täglich. Bei den jungen Männern nahm der Anteil der Konsumenten von 6,9 Prozent (2021) auf 13,3 Prozent (2025) zu. Bei den jungen Frauen stieg er von 4,7 auf 11,9 Prozent.
Zusätzlich gewinnen der Befragung zufolge Nikotinbeutel an Bedeutung, obwohl der Verkauf in Deutschland untersagt ist. Die aromatisierten Beutel, auch „Pouches“ genannt, werden in der Regel die Ober- oder Unterlippe gelegt, sodass das Nikotin direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen wird.
Im Unterschied zum schwedischen „Snus“ enthalten sie keinen Tabak. 2025 gaben 5,5 Prozent der Jugendlichen und 18,9 Prozent der jungen Erwachsenen an, diese Produkte bereits ausprobiert zu haben. 2023 waren es noch 4,1 Prozent der Jugendlichen und 14,8 Prozent der jungen Erwachsenen.
Streeck und Nießen fordern Verbot von Aromastoffen
„Wenn Nikotin nach Cola, Kiwi, Kaugummi oder Menthol schmeckt und in bunten Verpackungen daherkommt, dann ist das keine zufällige Produktgestaltung. Das senkt die Hemmschwelle und macht Nikotin für junge Menschen attraktiv“, kritisierte der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck heute bei einer Pressekonferenz. Die Zusatzstoffe seien zum Teil ebenfalls gesundheitsschädigend und krebserregend.
Streeck befürwortete ein Verbot dieser schädlichen Inhaltsstoffe sowie den geplanten Anstieg der Nikotinsteuer. Die Mehreinnahmen sollten direkt dem Gesundheitssystem zugute kommen. Zudem plädierte er dafür, geltendes Recht durchzusetzen: „E-Zigaretten gehören nicht in den Handel von Minderjährigen“, so der Infektiologe.
Streeck sowie der kommissarische Leiter des BIÖG, Johannes Nießen, sprachen sich zudem für ein Verbot der Aromastoffe aus. Diese würden oftmals aus China importiert, wo sie selbst verboten seien. Lediglich der Tabakgeschmack bei Vapes hätte den Vorteil, dass Raucherinnen und Raucher die E-Zigarette zur Entwöhnung herkömmlicher Tabakzigaretten nutzen könnten.
Wie aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, konsumieren Raucher insgesamt weiterhin überwiegend herkömmliche Zigaretten. Der Anteil lag bei 78,5 Prozent, E-Zigaretten wurden in 9,2 Prozent der Fälle bevorzugt.
Am höchsten war der Anteil der Raucherinnen und Raucher 2025 unter den 40- bis 44-Jährigen mit 26,0 Prozent. Unter den 45- bis 49-Jährigen lag er bei 25,5 Prozent und bei den 35- bis 39-Jährigen mit 23,8 Prozent.
Das BIÖG setzt zudem auf Aufklärungskampagnen in Sozialen Netzwerken mit Tipps zum Rauchstopp und bietet Präventionsangebote an Schulen an. Nießen zeigte sich allerdings besorgt, dass weniger Menschen in Deutschland überhaupt eine Nikotinentwöhnung probieren.
Für die Drogenaffinitätsstudie hat das BIÖG zwischen April und Juni 2025 7.001 junge Menschen zwischen zwölf und 25 Jahren befragt.
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