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WHO: Tabakkonzerne locken mit Nikotinbeuteln gezielt junge Menschen

  • Freitag, 15. Mai 2026
/Natalia, stock.adobe.com
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Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem wachsenden Trend, der vor allem auf junge Menschen zielt: Nikotinbeutel, die meist zwischen Oberlippe und Zahnfleisch gesteckt werden. Das Produkt mache süchtig und habe schwere gesundheitliche Folgen, mahnt sie und prangert die Marketingpraktiken der Industrie an.

Anbieter wollten eine neue Generation von Konsumenten in die Abhängigkeit treiben, schreibt die Organisation zum Weltnichtrauchertag (31. Mai). Weil der Zigarettenverkauf zurückgehe, weiteten multinationale Tabakkonzerne ihre Produktpalette aus, etwa auf E-Zigaretten oder Nikotinbeutel.

Der Verkauf von Nikotinbeuteln habe im Jahr 2024 mehr als 23 Milliarden Einheiten betragen, was einem Anstieg von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, berichtet die WHO. 2025 seien damit fast sieben Milliarden Dollar (rund sechs Milliarden Euro) umgesetzt worden.

Die USA seien mit einem Anteil von 80 Prozent der größte Markt. Die Beutel seien unter anderem auch in Deutschland und Schweden populär. In Deutschland ist der Verkauf von Nikotinbeuteln verboten. Sie werden aber über den Schwarzmarkt vertrieben und sind im Internet bestellbar.

Anbieter werben mit einem „Nikotinrausch“, der Gefühle von Vergnügen und Zufriedenheit auslösen soll. In Wirklichkeit ist Nikotin ein Nervengift aus der Tabakpflanze. Es kann inzwischen auch synthetisch hergestellt werden. Es gelangt beim Rauchen über die Lunge ins Gehirn, bei den Nikotinbeuteln über die Schleimhaut im Mund.

Laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) steigert Nikotin das Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen, kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen.

Die Konzerne wollten mit Werbung in sozialen Medien und über Influencer junge Leute ködern, so die WHO. Das zeigten die Geschmacksrichtungen. Auf dem Markt sind Beutel etwa mit Gummibärchen- oder Lakritzgeschmack. Die Nikotinbeutel würden als cooles Lifestyleprodukt vermarktet oder als etwas, mit dem man heimlich, in der Schule oder vor den Eltern versteckt, Regeln brechen könne.

Die WHO weist Behauptungen, Nikotinbeutel könnten helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, als unbegründet zurück. Oft passiere das Gegenteil: Raucher konsumierten mehr Nikotin, weil sie die Beutel dort verwendeten, wo das Rauchen verboten ist, und ansonsten weiterrauchten.

Die WHO appelliert an Regierungen, Nikotinbeutel zu regulieren und Kinder und Jugendliche über die Gefährlichkeit aufzuklären.

dpa

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