Ausland

Venezuela: Zehntausende werden vermisst

  • Mittwoch, 1. Juli 2026
/picture alliance, via REUTERS, MIGUEL MEDINA
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La Guaira – Bei der Bergung der vielen Toten und der Suche nach möglichen Überlebenden haben sich Helfer aus rund 30 Ländern gestern in Venezuela weiter durch die Trümmer nach den verheerenden Erdbeben gekämpft.

Vermutlich wurden mehr als 58.000 Gebäude beschädigt oder zerstört, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa nach einer vorläufigen Auswertung von Satellitendaten mitteilte.

In einer Lagerhalle am Hafen von La Guaira wurden hunderte noch nicht identifizierte Tote in weißen und schwarzen Leichensäcken und ein paar wenigen Särgen aufgereiht. Dutzende Menschen warteten vor der provisorischen Leichenhalle auf Informationen über ihre Angehörigen, während Gerichtsmediziner in blauen Uniformen die Leichen untersuchten.

Nach jüngsten offiziellen Angaben starben etwa 1.700 Menschen, 5.000 weitere wurden verletzt. Die Regierung in Caracas machte jedoch keine Angaben zur Zahl der Vermissten, die in die Zehntausende geht. Es handelte sich um das schwerste Erdbeben in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert.

Auf dem einzigen staatlichen Friedhof in der Hauptstadt Caracas arbeiteten die Öfen in den beiden Krematorien ohne Unterlass. Zwischen Freitag und Sonntag wurden täglich 60 bis 70 Begräbnisse abgehalten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden immer noch mehr als 50.000 Menschen vermisst. Sie schätzen, dass die Erdbebenkatastrophe 1,2 Millionen Tonnen Schutt zurückgelassen hat.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) teilte mit, in La Guaira sei „Lebensmittelknappheit verbreitet, die Grundversorgung zusammengebrochen und die Kommunikationsverbindungen seien weitgehend unterbrochen“. „Die Spannungen in der Bevölkerung nehmen zu, weil der Zugang zu Hilfe eingeschränkt bleibt“, sagte UNHCR-Sprecherin Carlotta Wolf.

Unter Leitung des UNHCR sei eine Kampagne zum Schutz von Kindern gestartet worden, um das Bewusstsein zu verstärken und bei der Identifikation und der Suche nach den Familien zu helfen. Das Flüchtlingshilfswerk teilte mit, es benötige Schätzungen zufolge rund 13 Millionen Euro für den Schutz, die Versorgung mit Hilfsgütern und für Notunterkünfte für 30.000 Erdbebenopfer für sechs Monate.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf erklärte in Genf, sie befürchte den Ausbruch von Krankheiten. Die Gesundheitsdienste stünden unter „extremem Druck“, die Einrichtungen arbeiteten „über ihren Kapazitäten angesichts des Zustroms von Traumapatienten“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier vor Journalisten in Genf.

Es gebe Probleme bei der Erfassung der Opfer und bei der Nachverfolgung von Vermissten. Zudem gebe es wegen niedriger Impfquoten eine erhöhte Gefahr von eigentlich vermeidbaren Krankheiten wie Masern und Diphtherie. Außerdem könnten Gelbfieber und andere durch Vektoren und Wasser übertragene Krankheiten ausbrechen, darunter Malaria, Dengue-Fieber, Chikungunya und Zika.

Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez habe mitgeteilt, dass 38 Krankenhäuser bei dem Erdbeben beschädigt worden seien, drei von ihnen stark. Nach Reparaturarbeiten durch Spezialisten des US-Militärs wurde der Hafen von La Guaira wieder in Betrieb genommen.

Das Marineschiff USS Fort Lauderdale legte an, um Hilfsgüter und Ausrüstung in die Katastrophenregion zu bringen. Das US-Außenministerium verdoppelte die für Venezuela zugesagten Hilfen auf 300 Millionen Dollar (263 Millionen Euro).

Die zwei Beben hatten sich am vergangenen Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab zudem dutzende Nachbeben.

afp

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