Verlässliche Rahmenbedingungen für die Ausbildung in Arztpraxen gefordert

Berlin – Ausbildende Arztpraxen brauchen verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, um den Fachkräftenachwuchs in den Gesundheitsberufen zu sichern. Dies betonte heute der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), Stefan Hofmeister. Nach Ansicht des Arztes müsse die gesamte Bildungskette gestärkt werden: von der schulischen Grundbildung über eine praxisnahe Berufsorientierung bis hin zu attraktiven Ausbildungsangeboten bei den Freien Berufen.
Gemeinsam mit Ingo Behnel (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, informierte sich der BFB-Präsident heute im Rahmen des „Sommers der Berufsausbildung“ in der kinderchirurgischen Praxis von Susanne von der Heydt in Berlin-Wedding über die Ausbildung Medizinischer Fachangestellter (MFA).
Dabei würdigte Behnel das Engagement der ausbildenden Arztpraxen. „Die duale Ausbildung in Deutschland ist für die Fachkräftesicherung ein wesentlicher Faktor. In den kleinen und mittleren Unternehmen unseres Landes liegt enormes Potenzial für den Ausbildungsmarkt“, betonte er. Deutschland verfüge über mehr als 300 Ausbildungsberufe, so Behnel. Der „Sommer der Berufsausbildung“ solle die Vielfalt dieser Möglichkeiten und die Attraktivität der dualen Ausbildung sichtbar machen.
Auch Hofmeister verwies auf die Bedeutung der beruflichen Bildung und warnte vor einer zunehmend starken Akademisierung. Ausbildungsberufe seien „eine Säule und Stütze der Gesellschaft“, sagte er. Deshalb müsse bereits in der Schule stärker über berufliche Bildungswege informiert werden. Diese sollten stärker als bisher als gleichwertige Perspektive neben dem Studium vermittelt werden. Dazu gehörten auch frühzeitige Kontakte zu Betrieben und konkrete Einblicke in die Arbeitswelt.
Viele offene Stellen
Bei den Gesundheitsberufen gebe es zwar eine positive Entwicklung, analysierte der BFB-Präsident, der auch stellvertretender Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist. „Wir sehen in diesen Berufen sogar eine Zunahme der Auszubildenden“, sagte Hofmeister. Entspannung bedeute das angesichts der weiterhin hohen Zahl offener Stellen aber nicht. Es gebe mehr als 130.000 offene Stellen, die man ad hoc besetzen könne, wenn es ausreichend Bewerberinnen und Bewerber gäbe. Deshalb müsse weiter für die Ausbildungsberufe geworben werden.
Die heutige Gastgeberin, Kinderchirurgin Susanne von der Heydt, bezeichnete die Ausbildung von MFA als eine „Herzensangelegenheit“. Sie habe bereits bei der Gründung ihrer Praxis eine Auszubildende eingestellt. Das gemeinsame Lernen habe sie als einen tollen Start erlebt. Ausbildung sei zudem eine Möglichkeit, eigene Arbeitsabläufe zu überdenken: „Immer, wenn jemand Neues kommt, muss man sich hinterfragen, warum man Dinge eigentlich so macht.“
MFA übernähmen eine zentrale Rolle bei der Betreuung junger Patientinnen und Patienten und ihrer Familien, so von der Heydt. Allerdings seien die Anforderungen an Ausbildungsbetriebe gestiegen. „Junge Menschen zu gewinnen und auszubilden bedeutet heute viel mehr als früher“, erklärte sie. Zusätzlich belasteten Sparmaßnahmen die Praxen.
BFB-Präsident Hofmeister sprach sich deshalb für eine engere Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieben und weitere ergänzende Ausbildungsangebote aus. Dabei verwies er auf staatliche Unterstützungsangebote für die Vermittlung von Ausbildungsplätzen. Gerade bei der Passung zwischen Betrieben und Bewerbern gebe es Schwierigkeiten, die einzelne Unternehmen nicht immer allein bewältigen könnten. Programme zur Unterstützung bei der Besetzung von Ausbildungsstellen seien deshalb aus seiner Sicht weiterhin notwendig.
Voraussetzung für den Ausbildungserfolg sei aber auch eine solide schulische Grundbildung, betonte Hofmeister. Der Arzt verwies auf die jüngsten PISA-Ergebnisse und bedauerte, dass immer mehr junge Menschen nicht über ausreichende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften verfügten. Fehle diese Grundlage, werde es für Ausbildungsbetriebe wie beispielsweise diese kinderchirurgische Praxis schwieriger, geeignete Bewerber zu finden und sie erfolgreich durch die Ausbildung zu führen.
Von der Politik forderten die Freiberufler mehr Verlässlichkeit. Die Politik müsse denjenigen, die gerne ausbildeten und arbeiteten, das Gefühl geben, dass es eine gewisse Stabilität gäbe, so von der Heydt. Viele Freien Berufe unterlägen öffentlich-rechtlichen Gebührenordnungen und könnten deshalb Preissteigerungen nicht ohne Weiteres weitergeben, so Hofmeister. Praxen, Kanzleien und andere freiberufliche Unternehmen benötigten deshalb stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie einen Abbau bürokratischer Belastungen.
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