Vermeidbare Todesfälle: Deutschland hinkt in Westeuropa hinterher

Wiesbaden – Deutschland liegt bei der Verringerung sogenannter vermeidbarer Todesfälle im westeuropäischen Vergleich weiterhin zurück. Das geht aus einer heute veröffentlichten Untersuchung hervor, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) in Wiesbaden mitteilte.
Zwar habe Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte erzielt. Der Abstand zu Ländern mit besonders günstiger Entwicklung habe sich jedoch nicht verringert, sondern teils vergrößert.
Als vermeidbar gelten Todesfälle, die durch wirksame medizinische Behandlung oder Prävention hätten verhindert werden können. Besonders betroffen sei dabei der Nordosten Deutschlands – darunter Teile von Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Im westeuropäischen Vergleich sterben hingegen in der Schweiz sowie in weiten Teilen von Italien, Frankreich und Spanien vergleichsweise wenige Menschen an vermeidbaren Ursachen. In Deutschland zählte lediglich die Region zwischen Tübingen und Ulm in Baden-Württemberg zeitweise zu den Gebieten mit vergleichsweise niedriger vermeidbarer Sterblichkeit.
Die Ursachen liegen demnach unter anderem in regionalen Unterschieden bei der Früherkennung und Behandlung von Krankheiten sowie im gesundheitlichen Verhalten der Bevölkerung. Vor allem bei Prävention etwa gegen Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel bestehe in Deutschland Nachholbedarf, hieß es.
Daneben spielen demnach auch soziale Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beschäftigungsperspektiven eine wichtige Rolle bei der vermeidbaren Sterblichkeit. Für die Analyse wurden Daten aus 581 europäischen Regionen im Zeitraum von 2002 bis 2019 ausgewertet. An der Untersuchung waren neben dem BIB auch die Universitäten im niederländischen Groningen und im niedersächsischen Oldenburg beteiligt.
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