Versorgungswünsche und -bedarf von Patienten am Lebensende individuell sehr unterschiedlich

Berlin – Notfall- und Intensivmediziner erleben täglich chronisch kranke und betagte Patienten in der letzten Lebensphase. Gemeinsam mit Angehörigen und gegebenenfalls den Patienten selbst müssen sie regelmäßig entscheiden, welche intensivmedizinischen Maßnahmen fortgesetzt werden oder ob auf eine primär palliative Behandlung umgestellt wird.
Die Wünsche der Menschen sind dabei „höchst individuell und unglaublich heterogen“ berichtet Gian Domenico Borasio im Vorfeld des 18. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Borasio ist Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität Lausanne und Lehrbeauftragter für Palliativmedizin an der Technischen Universität München. „Es gibt keine Standardwünsche, bei denen man davon ausgehen kann, dass alle Menschen am Lebensende sie teilen. Nicht einmal der Wunsch, keine Schmerzen zu spüren, ist universell. Es gibt auch Menschen, die lieber mehr Schmerzen ertragen, um dafür bis zum Ende ein klares Bewusstsein zu haben“, erläutert der Neurologe und Palliativmediziner.
Mitarbeiter auf der Intensivstation sollten sich mit der Biografie, mit den persönlichen Prioritäten, Nöten und Wünschen eines jeden Patienten auseinandersetzen, um herauszufinden, was dieser Patient in dieser Situation für seine Behandlung wünschen würde, wenn man ihn fragen könnte, so der DIVI-Experte.
Den mutmaßlichen Willen ermitteln
Häufig sei es in der Intensivmedizin nicht möglich, Patienten direkt zu befragen, so Borasio. Es gehe dann darum, ihren mutmaßlichen Willen zu ermitteln. „Der wichtigste Punkt ist, sich mit der Geschichte des Menschen vertraut zu machen. Wenn er sie nicht selbst erzählen kann, dann können das seine Familie und sein Bevollmächtigter, sofern dieser bestimmt wurde, tun“, erläutert er. Es brauche viel Zeit, um diese Informationen zu ermitteln. „Diese ganzheitliche Sicht des Patienten zu erfahren, ist ein Prozess, den der Arzt nicht alleine, sondern den das intensivmedizinische Team gemeinsam bewältigt“, so der Palliativmediziner.
Der 18. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) findet vom 5. bis 7. Dezember 2018 in Leipzig statt. Borasio wird dort einen Festvortrag halten. Der Titel: „Ich habe genug – was sich Patienten für das Lebensende wünschen, und warum man viel wissen muss, um wenig zu tun“.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: