Viele Fachkräfte erwägen Ausstieg aus der Intensivmedizin

Berlin – Die Personalsituation in der Intensivmedizin könnte sich künftig weiter verschärfen. Das zeigt eine neue Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Jungen DIVI, die jetzt veröffentlicht wurde. Die Erhebung ist im Journal of Critical Care erschienen (2026; DOI: 10.1016/j.jcrc.2026.155599).
Konkret gaben von den Befragten 45,4 Prozent an, sicher in der Intensivmedizin bleiben zu wollen. 23,2 Prozent planen einen Ausstieg, weitere 31,2 Prozent sind unentschlossen.
„Wir sehen dies als klares Warnsignal: Ohne gezielte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen riskieren wir, einen erheblichen Teil unseres intensivmedizinischen Personals zu verlieren“, erklärt Matthias Deininger, Erstautor der Studie.
Als entscheidende Faktoren für den Verbleib in der Intensivmedizin identifizierte die Arbeitsgruppe vor allem zwei Aspekte: Arbeitszufriedenheit und Familienfreundlichkeit. Beide zeigten eine signifikante Assoziation mit der Bereitschaft, langfristig in der Intensivmedizin zu arbeiten.
„Geld spielt nicht unbedingt eine Rolle – aber die Stimmung im Team, das Zwischenmenschliche! Und daran kann man in jedem Team arbeiten. Das ist Teil der Führungskultur“, erläuterte der Sprecher der Jungen DIVI und Letztautor der Erhebung, David Josuttis.
Weitere Stellschrauben für den langfristigen Personalerhalt sind der Umfrage zufolge weniger belastende Schichtmodelle – insbesondere weniger rotierende Tag-Nacht-Dienste –, eine bessere Unterstützung bei Kinderbetreuung und häuslicher Pflegeverantwortung sowie eine strukturierte Personalentwicklung und verlässliche Karriereperspektiven.
„Das Paper ist ein klarer Auftrag zum Handeln, um durch Strukturen und Maßnahmenbündel im oft stressigen Intensivalltag Wahrnehmung, Wertschätzung und Entwicklungsperspektiven für die Mitarbeitenden zu schaffen“, betonte DIVI-Präsident Florian Hoffmann.
Die Arbeitsgruppe der Jungen DIVI hat Angaben von zusammen 1.243 Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachkräften sowie Mitarbeitenden in therapeutischen Gesundheitsfachberufen analysiert.
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