Politik

Viele Möglichkeiten in der Präventionspolitik noch offen

  • Mittwoch, 15. April 2026
/Tartila, stock.adobe.com
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Berlin – In der Präventionspolitik sei gerade ein großes Möglichkeitsfenster offen, das dringend genutzt werden müsse. Dafür plädierte der Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner (Grüne) gestern bei einem parlamentarischen Abend der mkk – meine Krankenkasse.

Der Druck sei in diesem Bereich enorm hoch, so Wagner. Was die Lebenserwartung angehe, liege Deutschland in Europa nur im Mittelmaß, obwohl die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit hierzulande am höchsten seien. „Wir verschwenden so viele gesunde Lebensjahre, weil wir es gerade im Bereich der Prävention nicht hinbekommen, gute Maßnahmen zu finden“, kritisierte der Bundestagsabgeordnete, der auch Mitglied im Gesundheitsausschuss ist.

Damit sich in der Politik etwas bewege, sei man auch auf gute Ideen und den Antrieb von außen angewiesen. Neben Diskussionen rund um die Tabak-, Alkohol- und Zuckersteuer nahm Wagner damit unter anderem Bezug auf die Bundestagspetition von Andrea Galle, Vorständin der mkk-Krankenkasse und Ingo Froböse, Sportwissenschaftler und Professor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln. Sie fordern darin unter anderem die Aufnahme von Gesundheit, Prävention und Gesundheitsförderung ins Grundgesetz und einen stärkeren Fokus auf präventive statt kurative Behandlungen, wie sie derzeit vermehrt stattfinden.

„Wir könnten so viel Geld, aber eben auch gesunde Lebensjahre herausholen, wenn wir in Prävention investieren“, bekräftigte Wagner. Dies tue den wenigsten wirklich weh. Mit Blick auf die Zuckersteuer müsse man sich als Politik auch einmal gegen die Lobby durchsetzen und mutig vorangehen.

„Wir kommen um eine Zuckersteuer nicht drum rum“, betonte auch Svenja Stadler (SPD), Mitglied im Bundestagsausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Sie rede derzeit auf alle drei zuständigen Minister ein und irgendwann würden alle einsehen müssen, dass man sie brauche.

Daneben sollte der SPD-Abgeordneten zufolge dafür gesorgt werden, dass Steuerabgaben, wie sie etwa aus einer potenziellen Zuckersteuer resultieren könnten, zweckgebunden in Präventionsprojekte oder auch in einen Präventionsfonds fließen. Investiert werden könne das Geld beispielsweise in Projekte für die Stärkung der mentalen Gesundheit, Bewegung, gesunden Ernährung oder Suizidprävention.

Wichtig sei beim Ausbau der Prävention auch, auf vorhandene Strukturen, wie beispielsweise den Öffentlichen Gesundheitsdienst zurückzugreifen, betonte Ute Teichert, ehemalige Abteilungsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Die Aufgabe sei schon lange in den Gesundheitsämtern verankert. „Wir nutzen ein Potenzial nicht, das im Grunde genommen da ist“, kritisierte sie.

Wie die Politik derzeit agiere, sei es nicht wirklich nachhaltig, sagte mkk-Vorständin Galle. Die Vorschläge der Finanzkommission setzten vor allem auf kurzfristige Spareffekte – wenn jedoch an den Strukturen nichts geändert werde, würden die Kosten auf lange Sicht weiterwachsen und die Krankheitslast weiter steigen. „Das kann auf Dauer nicht gestemmt werden“, betonte sie.

Wenn hingegen klug in die Prävention investiert würde, könne es auch wieder ein wirtschaftliches Wachstum geben, erklärte Dennis Ostwald, Gesundheitsökonom und Gründer des WifOR-Instituts, das die Bedeutung von Gesundheitsinvestitionen erforscht. Die Politiker würden oft nur sehen, dass Prävention Geld kostet – jedoch nicht die positiven langfristigen Effekte. Hier müsse an der Kommunikation gearbeitet werden und die Wirksamkeit noch stärker mit Studien belegt werden – die es bereits in ausreichender Zahl gebe.

Wenn man eine leistungsfähige Gesellschaft haben wolle, die auch immer länger arbeite, gehe dies nur mit guter Gesundheit, betonte Sportwissenschaftler Froböse. Wichtige Ansätze sah auch er in der Bewegungs- und Ernährungsförderung, aber auch bei der Bildung. Vor allem Kindern und Jugendlichen müsse eine gesunde Umwelt geschaffen werden.

Damit die Gesellschaft auch den Wert der Prävention für den eigenen Körper erkenne, müsse vor allem noch an der Kommunikation gearbeitet werden, machte Teichert auf ein weiteres Problem aufmerksam. Man dürfe den Menschen nur nicht vorschreiben, was sie zu tun hätten oder ihnen Dinge verbieten, sondern müsse sie auch in ihrer Lebenswelt und in ihrem Alltag mitnehmen. „Es reicht nicht, zu sagen: Beweg dich mehr, trink weniger“, sagte sie.

Der Begriff Gesundheit müsse generell angstbefreiter werden, betonte Galle. Er solle nicht nur im Zusammenhang mit Krankheit stehen, Gesundheit – und damit die Prävention – sollten Spaß machen. Auch wenn Gesundheit in der Verantwortung jeder einzelnen Person liege, müsse für Verhältnisse gesorgt werden, die auch allen eine gesunde Lebensweise ermöglichten, so Galle.

nfs

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