Politik

Vor allem ältere Menschen für digitale Patientenakten

  • Montag, 23. Oktober 2017
/Wax, stock.adobe.com
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Berlin – Vor allem ältere Menschen wünschen sich die Einführung digitaler Patienten­akten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Forschungsinstituts Yougov im Auftrag des AOK Bundesverbands, wie die Welt am Sonntag berichtete. Demnach halten 82 Prozent der befragten gesetzlich Krankenversicherten es für sinnvoll, dass medizini­sche Daten in einer digitalen Gesundheitsakte gespeichert und in Praxen und Krankenhäusern abgerufen werden können. 78 Prozent der Befragten würden eine solche digitale Gesundheitsakte auch selbst nutzen.

Je älter die befragten Versicherten sind, desto offener sind sie offenbar für eine digitale Vernetzung ihrer Gesundheitsdaten: Die älteren Befragten stehen der Idee einer digitalen Gesundheitsakte nicht etwas skeptischer gegenüber – im Gegenteil. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sei die Zustimmung mit Abstand am größten. Fast 90 Prozent der befragten GKV-Versicherten über 65 halten es demnach für sinnvoll, dass medizinische Daten in einer digitalen Gesundheitsakte gespeichert werden. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen seien es nur 77 Prozent.

Ältere sehen größeren Nutzen

Das gleiche Bild ergibt sich laut Umfrage, wenn man nach der persönlichen Bereit­schaft zur Nutzung einer solchen Akte fragt. Diese sei mit 71 Prozent am geringsten in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen. Bei den über 65-Jährigen liege sie mit 87 Prozent deutlich höher. Offenbar sehen der Zeitung zufolge die älteren Befragten, die öfter zum Arzt oder ins Krankenhaus müssten, eher den Nutzen des digitalen Austausches von Informationen zwischen den Ärzten in Praxis und Klinik als jüngere Befragte, die mit diesen Themen wenig Berührung haben.

Die Vorstandsvorsitzenden von AOK Bundesverband und Techniker Krankenkasse (TK) forderten von der künftigen Bundesregierung, die Einführung vernetzter digitaler Patientenakten für Krankenkassen zur Pflicht zu machen. „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen muss Teil der Koalitionsverhandlungen sein“, sagte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas in der Welt am Sonntag. Die Kunden ihrerseits sollten hingegen nicht gezwungen sein, dieses Angebot zu nutzen.

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, forderte eine gesetzliche Regelung bereits im kommenden Jahr. Bislang seien die rechtlichen Grundlagen nicht eindeutig genug. „Für uns muss klar sein, dass wir in diesen Bereich investieren und dafür auch Beitragsgelder unserer Versicherten nutzen können.“

AOK und TK, bei denen eigenen Angaben zufolge etwa 36 Millionen Menschen versichert sind, wollen demnach mit eigenen Angeboten die Nutzung elektronischer Patientenakten vorantreiben. Die AOK gab in der vergangenen Woche den Startschuss für zwei Pilotprojekte, in denen elektronische Patientenakten mit rund 122.000 Versicherten getestet werden sollen; die TK entwickelt eine elektronische Gesund­heitsakte, deren erste Version im kommenden Jahr den Kunden angeboten werden soll.

kna

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