Weltnichtrauchertag: Rauchfreiheit sollte die einfachere Wahl sein

Berlin – Fachgesellschaften, Verbände und Krankenkassen haben zum Weltnichtrauchertag dazu aufgerufen, Tabakprodukte unattraktiver zu machen und die Prävention von tabakbedingten Schäden zu stärken.
„Die aktuelle Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist alarmierend: Nach zuletzt stagnierenden Raucherquoten unter Jugendlichen zeigt sich seit 2021 wieder ein Anstieg. Laut der Studie rauchte 2025 fast jeder Zehnte der Zwölf- bis 17-Jährigen (9,6 Prozent). 2021 waren es noch 6,1 Prozent“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Carola Reimann.
Noch beunruhigender sei der Vormarsch des Vapens. Bei männlichen Jugendlichen sei der Anteil seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent gestiegen, bei weiblichen Jugendlichen von 1,8 auf 7,8 Prozent. „Deutschland muss bei diesem Thema endlich handeln“, forderte Reimann.
Für strenge Maßnahmen gegen Tabak- und Nikotinprodukte spricht sich auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft aus: „Auf der Tabakkontrollskala – ein Index, der Präventions- und Kontrollmaßnahmen abbildet – belegt Deutschland Platz 34 von 37 und landet damit noch hinter klassischen Starkrauch-Ländern wie Bulgarien oder der Ukraine“, kritisierte deren Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß.
Die Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) begrüßt zum Weltnichtrauchertag die geplante Erhöhung der Tabaksteuer in diesem Jahr und fordert, die zusätzlichen Einnahmen zweckgebunden im Gesundheitswesen einzusetzen.
Vor allem Kinder und Jugendliche sollten besser vor den Folgen von Nikotin- und Tabakkonsum geschützt werden. „Es darf nicht sein, dass Kinder und Jugendliche im Netz unkontrolliert Zugriff auf Nikotinprodukte wie E-Zigaretten (Vapes), Tabakbeutel und andere neue nikotinhaltige Produkte haben. Gerade E-Zigaretten werden von Jugendlichen häufig als harmlos wahrgenommen – sind es aber nicht“, sagte der Kammerpräsident Sven Dreyer.
Auch ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland befürwortet schärfere Maßnahmen gegen Tabak- und Nikotinprodukte. So sprechen sich laut einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) 64 Prozent der Menschen für eine Einheitsverpackung für Tabakprodukte und E-Zigaretten aus, um damit die Werbewirkung der Verpackungen gezielt einzuschränken und der Strategie der Tabakindustrie entgegenzuwirken.
„Studien zeigen, einheitliche Verpackungen halten Nichtrauchende davon ab, mit dem Rauchen anzufangen und motivieren Rauchende zum Aufhören“, sagte Ute Mons, Leiterin der Abteilung Primäre Krebsprävention und des Kollaborationszentrums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Tabakkontrolle am DKFZ.
Rauchen schädigt nicht nur Lunge und Herz – auch das Gehirn leidet massiv unter Tabakkonsum. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hin. Danach ist belegt, dass Rauchen den zweiten Platz unter den Risikofaktoren für einen ischämischen Schlaganfall einnimmt, es erhöht laut der Fachgesellschaft das Demenzrisiko sowie das Risiko für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Rauchen gilt außerdem als einer von vielen Risikofaktoren bei nicht lebensbedrohlichen neurologischen Erkrankungen wie der peripheren Polyneuropathie oder der Migräne.
„Aus neurologischer Sicht ist Rauchen einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren überhaupt“, sagte der DGN-Generalsekretär Peter Berlit.
Die Deutsche Herzstiftung weist anlässlich des Weltnichtrauchertages darauf hin, dass Rauchstoppprogramme, verhaltenstherapeutische Ansätze und etablierte medikamentöse Therapien wirksame Instrumente für jene sind, die bereits rauchen, um sich zu entwöhnen und langfristig tabak- und nikotinbedingte Erkrankungen zu verringern.
Der Weltnichtrauchertag wurde 1987 von der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufen und findet jedes Jahr am 31. Mai statt.
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