„Wer nicht ausbildet, hat irgendwann auch einen Mangel in der Region"

Dahme-Spreewald – Um die Vernetzung unter jungen Ärzten im ländlichen Raum will sich das neue „Weiterbildungsnetzwerk Dahme-Spreewald“ in Brandenburg kümmern. „Uns geht es darum, junge Kollegen in den ländlichen Raum zu holen“, sagte Katja Klugewitz. Die Gastroenterologin sitzt zusammen mit ihrem Kollegen Benjamin Möpert, Allgemeinmediziner in Halbe, in ihrer Praxis in Königs Wusterhausen.
Gemeinsam sind beide Initiatoren des „Weiterbildungsnetzwerks Dahme-Spreewald“: Entstanden aus den Erfahrungen der Coronazeit, als Kontakte unter Kollegen immer wichtiger wurden, haben sich in dem Landkreis im Südosten Berlins niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und die ortsansässigen Krankenhäuser miteinander vernetzt, um möglichst alle Abschnitte der Facharztweiterbildung in einer Region anbieten zu können. „Denn wer nicht ausbildet, hat irgendwann auch einen Mangel in seiner Region”, sagte Klugewitz.
Die örtlichen Krankenhäuser – die Sana-Kliniken in Königs Wusterhausen und Lübben, das zum Teltower Diakonissenhaus gehörende Krankenhaus in Luckau und die Fach- und Rehakliniken von Asklepios in der Region – haben sich dem Verbund ebenso angeschlossen, wie derzeit 17 Praxen der unterschiedlichsten Fachrichtungen.
„Wir versuchen auch, so viele Kollegen wie möglich zu überzeugen, eine Weiterbildungsbefugnis zu beantragen“, sagte Klugewitz. „Denn wer als niedergelassener Arzt weiterbildet, hat auch später weniger Probleme, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für seine Praxis zu finden.“ Da gebe es immer Klebeeffekte, die man zu Anfang nicht vorhersehen könne. Unterstützung erhalten die Mediziner dabei von Beatrice Hertel.
Als hauptamtliche Koordinatorin des Weiterbildungsnetzwerks hilft sie den Ärzten bei den Formalien: Sie führt die Korrespondenz mit der Ärztekammer, achtet darauf, dass Anträge vollständig sind, und hat einen Überblick darüber, welche der bislang 26 mit dem Netzwerk kooperierenden Weiterbildungsassistenten gerade in welchen Praxen aktiv sind. Sie bringt Bewerber und Praxen zusammen, und plant mit ihnen gemeinsam die nächsten Schritte.
„Grundsätzlich krankt das System der Facharztweiterbildung im ambulanten Bereich oft daran, dass der Praxisinhaber alle Formalitäten zusätzlich, in seiner ohnehin schon knapp bemessenen Freizeit, erledigen muss“, sagte Hertel.
Diese Arbeit nimmt Hertel den Medizinern ab, soweit es möglich ist. Finanziert wird ihre Stelle über Fördergelder des Landkreises: Mit insgesamt 300.000 Euro über fünf Jahre hat der Kreis das Weiterbildungsnetzwerk unterstützt. Denn auch die örtliche Kommunalpolitik hat ein Interesse daran, dass junge Ärzte Interesse an Dahme-Spreewald finden.
Mit einer gewissen Sorge blicken die Mediziner dabei auf die Krankenhausreform. „Wenn an Kliniken Leistungsgruppen wegfallen, fallen auch Weiterbildungsbefugnisse weg“, sagte Möpert. „Wir brauchen aber eine kritische Masse, damit die Leute ihre Facharztausbildung komplett in der Region erledigen können, und ambulante und stationäre Weiterbildung hier kombinierbar ist.“ Denn wer einmal die Region verlassen hat, kommt oft nicht wieder.
Und auch die Finanzierung macht den Medizinern Sorgen. „Wir zahlen als Niedergelassene die Weiterbildungsumlage, wir übernehmen die Lohnnebenkosten und wir investieren unsere Zeit in die Weiterbildungsassistenten“, erklärte Möpert. „Zeit, in der wir selber keine Patienten behandeln können.“
Hier würde er sich eine großzügigere Finanzierung der ambulanten Weiterbildung wünschen. „Wir sind nun einmal kein Krankenhaus, wo sich der Oberarzt zwischendrin um die Studierenden kümmern kann“, sagte Klugewitz. „Im ambulanten Setting arbeiten wir in hohem Durchsatz, und dem muss man Rechnung tragen.“
In der Brandenburger Landespolitik gilt das Weiterbildungsnetzwerk als ein Erfolgsprojekt. Zuletzt eröffnete Ministerin Britta Müller (BSW) eine digitale Plattform, die die Vernetzung noch weiter fördern soll. „Die ärztliche Weiterbildung ist ein zentraler Schlüssel die Fachkräftesicherung in Brandenburg“, sagte Müller.
„Das Weiterbildungsnetzwerk zeigt eindrucksvoll, wie Kliniken, Praxen und Institutionen dabei gemeinsam sektorenübergreifend und partnerschaftlich zusammenarbeiten können.“ Solche regionalen Initiativen hätten eine Strahlkraft weit über den Landkreis hinaus und könnten Vorbild für andere Regionen werden.
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