WHO fordert Waffenstillstand im Ebola-Ausbruchsgebiet

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer „katastrophalen Kollision von Krankheit und Konflikt“ in der vom Ebola-Ausbruch betroffenen Region im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK).
„Wir können weder das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen noch Kranke isolieren, während Bomben fallen“, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf dem Portal X. Er appellierte an die Kriegsparteien, sich auf einen sofortigen Waffenstillstand zu einigen, damit der Ausbruch eingedämmt werden kann.
Weil es keinen passenden Impfstoff und keine speziellen Medikamente gegen die kursierende Ebola-Variante gibt, kann die Infektionskette nur unterbrochen werden, wenn Infizierte unter höchsten Sicherheitsstandards behandelt werden und ihre Kontakte sich für drei Wochen isolieren. Der Zugang für humanitäre Helfer sei entscheidend, so Tedros.
Wegen der anhaltenden Kämpfe würden Menschen immer wieder vertrieben, und Kontaktpersonen von Infizierten könnten sich in überfüllten Flüchtlingslagern nicht von anderen fernhalten. „Wir bitten dringend, das Überleben der Menschen über alles andere zu stellen“, schrieb Tedros.
US-Patient in Berlin auf dem Weg der Besserung
Unterdessen besuchte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) heute die Universitätsklinik Charité in Berlin, auf deren Sonderisolierstation seit einer Woche ein an Ebola erkrankter Arzt behandelt wird. Dieser hatte sich im Dienst für eine Hilfsorganisation in der Ausbruchsregion angesteckt. Er war nach einem Amtshilfeersuchen der Amerikaner nach Deutschland gebracht worden.
Seit dem Eintreffen in Berlin habe sich der Gesundheitszustand des Mannes „sehr positiv“ entwickelt, berichtete Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin. Der Mann habe eine kombinierte antivirale Therapie erhalten, eine intensivmedizinische Behandlung sei nicht nötig geworden. Die Viruslast sei im Laufe der Woche schnell abgefallen.
Enge Kontaktpersonen des Erkrankten, seine Frau und vier Kinder, erhielten auf der Sonderisolierstation eine Postexpositionsprophylaxe und hätten bisher keine Symptome entwickelt, schilderte der Mediziner. Anlass für diesen Schritt sei auch die hohe Ebola-Sterblichkeitsrate bei Kleinkindern gewesen.
Neben der Weitergabe von Proben des Patienten an WHO-Labore sei man bemüht, ein Isolat des Ausbruchsstammes in einem Hochsicherheitslabor anzuzüchten, um etwa zu testen, wie gut vorhandene Ebola-Impfstoffe und Medikamente funktionieren, so Sander. Man stehe im ständigen Austausch mit internationalen Kollegen, um Erfahrungen zu teilen.
Die Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum der Charité im Wedding sei genau auf solche Fälle, aber auch weitere Szenarien wie etwa Vergiftungen oder radioaktive Zwischenfälle ausgelegt, betonte Charité-Vorstandschef Heyo Kroemer. Der Fall des Ebola-Patienten könne als Anlass genommen werden, um intensiver über den „erheblichen Nachholbedarf“ Deutschlands auf dem Feld der Gesundheitssicherheit nachzudenken.

Warken sprach von gut funktionierenden Abläufen, dankte allen Beteiligten und hob die Wichtigkeit der Arbeit der WHO hervor. „In solchen Fällen wird einfach immer nochmal sehr klar und deutlich, dass wir auch eine internationale Zusammenarbeit brauchen. Kein Land kann alleine solche Ausbrüche bekämpfen.“
Zu einer Frage nach der Übernahme der Kosten für die Behandlung der US-amerikanischen Familie in Deutschland sagte Warken, „das folgt dem üblichen Verfahren, wird geklärt werden auf den Dienstwegen“. Weitere Anfragen zur Verlegung betroffener Patienten nach Deutschland gebe es derzeit nicht.
USA planen laut Medienbericht Behandlungszentrum in Kenia
Wie die New York Times gestern unter Berufung auf mehrere nicht namentlich genannte Quellen berichtete, soll die US-Regierung nun ein Zentrum in Kenia planen, wo US-Staatsbürger künftig nach Exposition in Quarantäne kommen beziehungsweise im Krankheitsfall behandelt werden sollen – anstatt die Betroffenen wie während früherer Ausbrüche in hochspezialisierte US-Einrichtungen zu bringen.
Der US-Notarzt Craig Spencer, der sich 2014 nach der Behandlung von Patienten in Guinea mit Ebola infiziert hatte und damals in New York behandelt wurde, kritisierte die Pläne in dem Zeitungsbericht als „eine eklatante Vernachlässigung unserer Pflicht gegenüber unseren eigenen Landsleuten“.
Die Regierung von Donald Trump hatte vorige Woche verfügt, dass bestimmte Gruppen, die mit dem Ebolavirus in Kontakt gekommen sein könnten, nicht in die USA einreisen dürfen. Darunter sind auch Ausländer mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht, wenn sie sich in den vergangenen 21 Tagen in der DRK, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten hatten. US-Bürger sind ausgenommen.
Schon beim Ebola-Ausbruch 2014 hatte Trump auf X betont: Die USA dürften keine mit Ebola infizierten Menschen zurück ins Land lassen. „Menschen, die in ferne Länder reisen, um dort zu helfen, sind großartig – aber sie müssen die Konsequenzen tragen!“
ECDC will vor Ort unterstützen und sich für Schutz Europas einsetzen
Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC kündigte heute verstärkte Aktivitäten und eine größere Präsenz in der Ausbruchsregion an, um dort zu unterstützen und Informationen aus erster Hand zu erhalten. Gleichzeitig geht es um die Frage möglicher Einschleppungen des Virus nach Europa.
Um das Risiko zu verringern, sieht das ECDC bei Ausreisekontrollen ein Screening auf symptomatische Reisende als zentral an. Das Infektionsrisiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa wird weiterhin als „sehr gering“ eingestuft.
Das ECDC plant unter anderem, klare Reisehinweise für Reiserückkehrer aus betroffenen Gebieten bereitzustellen, darunter Hinweise für den Fall der Entwicklung von Symptomen.
Auch wolle man dazu beitragen, dass EU-Länder in der Lage sind, infizierte Personen unter Einreisenden rasch zu erkennen, zu isolieren sowie alle nötigen Schritte durchzuführen. Mit dem Luftfahrtsektor soll ein einheitlicher Weg für den Umgang mit Verdachtsfällen auf Flügen gefunden werden. Auch eine Modellierungsstudie zu Wahrscheinlichkeit von importierten Fällen sei geplant, hieß es.
Zum Eindämmen der Epidemie hat Uganda seine Grenze zum Nachbarland DRK vorübergehend geschlossen. Der Schritt erfolge mit sofortiger Wirkung, teilte das Gesundheitsministerium in Kampala heute mit.
Ausgenommen davon seien unter anderem autorisierte Ebola-Einsatzteams, humanitäre Einsätze und Lebensmitteltransporte. Zudem wurden eine 21-tägige Quarantäne für alle Einreisenden aus der DRK sowie regelmäßige Kontrollen von Schülern an grenznahen Schulen angekündigt.
Kritik an gekürzten Geldern
Der Ausbruch hängt nach Einschätzung von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mit gekürzten Geldern für Entwicklungszusammenarbeit zusammen. „Der Ebola-Ausbruch zeigt sehr deutlich: Wer internationale Zusammenarbeit für Gesundheit kürzt, gefährdet Menschenleben - momentan in Zentralafrika, aber auch darüber hinaus“, sagte sie der Rheinischen Post.
Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuvor in der Zeitung gefordert, Deutschland solle seinen Etat für das Entwicklungsministerium konsequent aufstocken und nicht zusammenstreichen. Die Mittelkürzungen der USA trügen bereits dazu bei, dass Gesundheitssysteme in afrikanischen Ländern zerfielen. So könnten sich extrem gefährliche Viren wie Ebola rascher ausbreiten und zu Pandemien „mit wirtschaftlichen Folgen auch für uns werden“.
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