Wie Versorgungsforschung das deutsche Gesundheitswesen leistungsfähiger machen kann

Köln – Das deutsche Gesundheitswesen hat im internationalen Vergleich deutliche Mängel. Das erklärte der Vorsitzende des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF), Wolfgang Hoffmann, zum Auftakt des 25. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung gestern in Köln.
„Gerade in einer Zeit, in der unser Gesundheitssystem inmitten weitreichender Reformen steht, schmerzhafte Einsparungen geplant sind und viele Akteure sich Sorgen über die Zukunft machen, gewinnt die Versorgungsforschung an Bedeutung“, betonte er in seinem Kongressgrußwort.
Die Versorgungsforschenden schafften die wissenschaftliche Grundlage, um Veränderungen nicht allein unter medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bewerten, sondern auch ihre Wirkung auf Qualität, Patienten- und Patientinnenorientierung und Nachhaltigkeit sichtbar zu machen, so Hoffmann. Wichtig sei dabei, dass die Forschung ihre Ergebnisse konkret und verständlich kommuniziere, betonte er.
Darauf hofft auch der Sozialminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (CDU). „Die Versorgungsforschung soll uns sagen, wo die Versorgung gut ist, aber auch wo sie Patientinnen und Patienten nicht erreicht“, sagte der Minister bei seinem Grußwort auf der Kongresseröffnung. Die Ergebnisse der Forschung seien daher in Politik und Selbstverwaltung von großer Bedeutung, so Laumann.
Große Fragen der Versorgungsforschung in der Onkologie benannte Michael Hallek, Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit und Pflege und Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie der Uniklinik Köln.
„Halten Therapien, die in Studien wirken, auch in der Regelversorgung – bei älteren, multimorbiden und unterrepräsentierten Patientinnen und Patienten?“, ist laut Hallek eine zentrale Frage. „Zugang und Gleichheit – wer erhält leitliniengerechte Diagnostik und Therapie – und welche Rolle spielen Region, Alter, Bildung und sozialer Status“, nannte Hallek ein weiteres wichtiges Thema der Forschung.
Als Beispiele für Mängel im deutschen Gesundheitswesen nannte der DNVF-Präsident Hoffmann unter anderem eine zu starke Arzt- beziehungsweise Ärztinnenzentrierung und damit zu wenig Interprofessionalität, Probleme an den Schnittstellen der Versorgung und eine mangelnde Verfügbarkeit von Versorgungsdaten.
Letzteres bestätigte Nicole Ernstmann, Professorin für Versorgungsforschung am Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IVMR) der Universität zu Köln, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.
So sei es zum Beispiel extrem schwierig, auf Familien bezogene Versorgungsforschung zu betreiben – zum Beispiel zur psychischen Gesundheit von Kindern krebskranker Eltern – weil sich die Daten aus der Versorgung von Kindern nur sehr schwer mit Routinedaten aus der Versorgung erwachsener Familienmitglieder zusammenbringen ließen. Ernstmann ist zusammen mit Lena Ansmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Medizinsoziologie am IMVR, Kongresspräsidentin des Treffens.
Der Kongress steht unter dem Motto „Menschen. Beziehungen. Organisationen. 25 Jahre gemeinsame Versorgungsforschung“. Rund 1.000 Interessierte treffen sich dazu vom 23. bis 25. September in Köln.
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